02. Dezember 2020

Virtueller Biofouling-Workshop: Aktuelle Branchenentwicklung

Wie kann dem Bewuchs von Schiffsrümpfen durch Mikroorganismen, Pflanzen, Algen und Tieren vorgebeugt werden? Wie kann eine Verbesserung der hydrodynamischen Eigenschaften, Treibstoffeinsparungen und dadurch verminderte Transportkosten sowie eine Reduktion von umweltbelastenden Emissionen erzielt werden? Diese und weitere Fragestellungen standen im Mittelpunkt des virtuellen „Biofouling-Workshops: Aktuelle Branchenentwicklung“, der vom Kompetenzzentrum GreenShipping Niedersachsen, dem Maritimes Cluster Norddeutschland e. V. (MCN) und der EurA AG am 24. November durchgeführt wurde.

Das Programm des Workshops hielt spannende Vorträge ausgewiesener Expertinnen und Experten sowie viel Raum für einen themenoffenen Austausch für die rund 50 Teilnehmenden bereit.

Zu Beginn der Veranstaltung wurde die Marktübersicht, die vom Kompetenzzentrum GreenShipping Niedersachsen in Zusammenarbeit mit dem Maritimen Cluster Norddeutschland sowie der EurA AG im Sommer dieses Jahres veröffentlicht wurde, vorgestellt. In der Übersicht, die kostenlos auf der Webseite des Maritimes Cluster Norddeutschland e. V. heruntergeladen werden kann, sind Lösungsansätze gegen Biofouling an Schiffsrümpfen verschiedenster Unternehmen und Institutionen aufgelistet.

Fortgeführt wurde die Veranstaltung mit Vorträgen, die das Thema Biofouling aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchteten.

Den Auftakt machte Jürgen Gerdes, Geschäftsführer der Maritime Engineering & Solutions GmbH. Herr Gerdes sprach aus der Sicht der Anwender und berichtete über die Anforderungen, die Schiffsbetreiber an Biofouling-Systeme stellen. Es wurden zunächst die unterschiedlichen Richtlinien der IMO genannt, in denen es um die Artenverschleppung und gleichermaßen um die Vorbeugung von negativen Einflüssen durch Antifouling-Systeme geht. Gerade aus Unternehmenssicht stellen sich Fragen wie zum Beispiel die Schiffshülle optimalerweise behandelt werden müsste (von Beschichtungen bis Ultraschall), um sowohl eine Effizienzminderung (Gewicht, Strömungswiderstand) als auch Beschädigung (Korrosionsbeschleunigung) zu vermindern.

Dr. Benjamin Emde vom Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) stellte das Projekt FoulLas vor. Das Projekt wird in Kooperation zwischen dem LZH, der Laserline GmbH und dem Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung IFAM durchgeführt. Es widmet sich der Fouling-Entfernung von maritimen Oberflächen mittels Laserstrahlung unter Wasser. Dies gelingt durch die letale Schädigung der Mikroorganismen und in der Folge durch den Reinigungseffekt der Wasserströmung. Herr Dr. Emde stellte zudem die Versuchsumgebung Helgoland vor.

Von der Insel Norderney berichtete Bernd Daehne von der Dr. Brill + Partner GmbH und stellte verschiedene Testmethoden zur Erprobung innovativer Antifouling-Systeme und entsprechende Test-Ergebnisse dar. Es wurde der Seepockenschnelltest im Labor (Anzahl der Larven auf Oberflächen) vorgestellt und der Bewuchs nach unterschiedlichen Behandlungen aus simulierten statischen und dynamischen Feldtests im Hafen gezeigt. Zur realitätsnahen Umsetzung eines möglichen Feldtests wurden bereits Testflächen auf Küstenschiffen angebracht.

Dem wichtigen Thema „Regularien“ widmete sich Dr. Katja Broeg vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie und gab einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen in regionalen, nationalen und internationalen Gremien. Es wurde über die Überarbeitung der 2011 Biofouling Richtlinien der IMO und des HELCOM Baltic Sea Action Plans berichtet sowie die Joint HELCOM/OSPAR Task Group on BWMC and Biofouling beschrieben. Abschließend wurde die HELMCOM Biofouling Management Roadmap vorgestellt und die Ziele des GloFouling Partnerships aufgezeigt.

Abschließend zeigte Dr. Rainer Henking von der EurA AG praxisorientierte Lösungen von fachgebietsübergreifenden Unternehmen auf. Zudem wurde eine Roadmap zur weiteren Vorgehensweise vorgestellt, die eine langfristige Etablierung der Lösungsfindung wahren soll. Künftige Umsetzungsvarianten von onlinebasierten Zusammenkünften (Pitchevent, Hybridevent) wurden mit den Teilnehmenden evaluiert.

Im Anschluss an die Vorträge standen die Referentinnen und Referenten den Teilnehmenden für Fragen zur Verfügung. Es entstand eine lebhafte Diskussion, die bei einem themenoffenen Austausch im Nachgang an die Veranstaltung fortgeführt werden konnte.

Eva von Soosten vom Kompetenzzentrum GreenShipping Niedersachsen freut sich über das große Interesse an der Veranstaltung: „Es haben sich in den Gesprächen während des Workshops und im anschließenden Austausch viele neue Ideen und Anknüpfungspunkte für uns ergeben. Daraus werden wir bereits im kommenden Jahr innovative Projekte ableiten und auf die Beine stellen.“

Im neuen Jahr wird das Thema Biofouling bei weiteren Veranstaltungen aufgegriffen. Dr. Rainer Henking von der EurA AG erzählt: „Wir werden das neue Jahr mit einem hybriden Event starten. Hier geben uns Unternehmen, die sich mit Lösungsansätzen gegen Biofouling beschäftigen, die Möglichkeit, in Form von Live-Übertragungen ihre Produktionsstätten, Labore oder auch erste Anwendungen kennenzulernen.“

 

 

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Über das Maritime Cluster Norddeutschland

Das Maritime Cluster Norddeutschland (MCN) fördert und stärkt die Zusammenarbeit in der norddeutschen maritimen Branche. Es ermöglicht Plattformen des Dialogs der Akteure untereinander und fördert Innovation und Schnittstellen zu anderen Branchen. Mit Geschäftsstellen in Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein ist das MCN präsent und kooperiert mit den Akteuren vor Ort. Es unterstützt unter anderem bei der Suche nach Innovationspartnern, informiert zu Förderprogrammen und vermittelt Kontakte in die maritime Branche. Mehr als 350 Unternehmen und Institutionen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik sind Mitglied im MCN. Insgesamt zehn Fachgruppen koordiniert das MCN zu den Themen Innovationsmanagement, Maritime Informations- und Kommunikationstechnologien, Maritimes Recht, Maritime Sicherheit, Maritime Wirtschaft Offshore Wind, Personal und Qualifizierung, Schiffseffizienz, Unterwasserkommunikation, Yacht- und Bootsbau sowie Clusterfunk.
Das Maritime Cluster Norddeutschland wurde 2011 gegründet. Zunächst arbeiteten die Länder Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein in dem länderübergreifenden Cluster zusammen, im September 2014 kamen auch Bremen und Mecklenburg-Vorpommern hinzu. Seit 2017 agiert das MCN als Verein. www.maritimes-cluster.de

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