Binnenschifffahrt 4.0

Die Binnenschifffahrt ist ein wichtiger Verkehrsträger in Europa. Europa verfügt über ein weitmaschiges Wasserstraßennetz, das auf den Hauptrouten sehr leistungsfähig ist. Große Teile des Seehafenhinterlandverkehrs werden über die Binnenschifffahrt abgewickelt. Im Vergleich zum Straßen- oder Schienenverkehr gibt es noch erhebliche Kapazitätsreserven. Obwohl die Binnenschifffahrt einer der effizientesten Verkehrsträger ist, verzeichnet sie einen stetigen Rückgang im Modal Split (Rückgang von 14 % im Jahr 1991 auf 8 % im Jahr 2017), obwohl die Transportleistung (in Tonnenkilometern) von 400 Mrd. tkm im Jahr 1991 auf 696 tkm im Jahr 2017 gestiegen ist.
Zur Ausschöpfung des Potenzials der Binnenschifffahrt, müssen die strukturellen und technischen Defizite beseitigt werden, um die Wettbewerbsfähigkeit des gesamten Sektors zu verbessern und den Anforderungen der heutigen Logistik gerecht zu werden. 

In dem von der EurA AG organisierten ZIM-Innovationsnetzwerk Binnenschifffahrt 4.0 arbeiten kleine und mittelständische Unternehmen, Forschungseinrichtungen und assoziierte Partner eng zusammen. Es sollen innovative Ansätze verfolgt und als Forschungs- und Entwicklungsprojekte umgesetzt werden, um eine breitere Nutzung der Binnenschifffahrt für den Gütertransport zu ermöglichen. Die Themenbereiche umfassen dabei neben der Antriebstechnik, Sensorik, Automation, Navigation und Digitalisierung auch die vor- und nachgelagerte Logistikkette. Als internationales Netzwerk arbeitet Binnenschifffahrt 4.0 eng mit Partnern in Belgien, unter anderem dem De Vlaamse Waterweg NV, zusammen.

Das Maritime Cluster Norddeutschland ist assoziierter Partner und unterstützt das Netzwerk fachlich, als Kooperationspartner bei Veranstaltungen sowie durch die Vermittlung von Kontakten zu relevanten Akteur*innen.

Erkenntnisse aus der ersten Phase des Netzwerks

Im Verlauf der Phase 1 des Netzwerkes konnten relevante Erkenntnisse gesammelt und vertieft werden, die insbesondere auch durch die praktischen Erfahrungen der belgischen Partner bestätigt wurden:

  • Offizielle Regularien und Richtlinien legen die Leitplanken für zukünftige Entwicklung in der Schifffahrt allgemein und bei den autonomen Schiffen im Besonderen. Ein enger Kontakt zu den entsprechenden Gremien ist für das Netzwerk daher von besonderer Bedeutung. Hier sind und werden die internationalen Kontakte des Netzwerks eine wichtige Rolle spielen.
     
  • Der Bestand an Schiffen benötigt ein erhebliches Maß an Überarbeitungen (Retro Fit), Erweiterungen und technologischen Produkten und Lösungen zur Digitalisierung, Vernetzung und Automatisierung. Das durchschnittliche Alter der deutschen Binnenschiffe beträgt 40 Jahre. Ein Ersatz durch Neubauten wird daher nur langfristig möglich sein.
     
  • Der menschliche Faktor wird auch weiterhin eine besondere Rolle spielen. Deshalb sind Mensch-Maschine-Schnittstellen ein wichtiger Punkt. Dies ist auch deshalb von Bedeutung, da es im Bereich der Binnenschifffahrt in den kommenden Jahren einen großen Fachkräftemangel geben wird. In Belgien wird es bis zum Jahre 2030 einen Bedarf von 600 Binnenschiffern geben. Ausgebildet werden zurzeit nur 6 pro Jahr (für Deutschland fehlen derartige Zahlen).
     
  • Bis zur Erreichung der vollkommenen Autonomie wird es eine Vielzahl von Zwischenschritten geben, die angepasste innovative Produkte und Technologien benötigen. Bevor Produkte und Komponenten, mit denen Autonomie, Teilautonomie und Automatisierung von Schiffen erreicht werden, entwickelt werden können, müssen vorab allerdings die Rahmenbedingungen und Geschäftskonzepte geklärt und entwickelt werden.
     
  • Die Digitalisierung spielt eine große Rolle bei der Verknüpfung der Schifffahrt mit vor- und nachgelagerten Gliedern der Logistikkette. Daher ist die Einbindung von Hafenbetreibern, Wasserschifffahrtsverbänden und Logistikunternehmen zwingend notwendig. Die Automatisierung von Datenflüssen und Datenbereitstellung würde zum Beispiel die Arbeitsbelastung der Binnenschiffer deutlich reduzieren und dazu noch neue Geschäftsmodelle eröffnen.


Damit bietet die Ausrichtung des Netzwerkes „Binnenschifffahrt 4.0“ mit belgischen Partnern als internationales Netzwerk wesentliche Mehrwerte für die deutschen Netzwerkpartner. Dies ist beispielsweise der Zugang zu praktischen Erfahrungen in den Bereichen „Fernüberwachung“, „(Teil-) Autonomie“ und Smart-Shipping im Themenfeld Binnenschifffahrt sowie ein Benchmark mit einem weltweit führenden Projekt im Bereich Smart-Shipping (auch als Best-Practice für weitere Stakeholder zum Beispiel aus der Politik). Hinzu kommt der Zugang zu einem existierenden Markt für „Binnenschifffahrt 4.0“. Diese Mehrwerte sollen in der Phase 2 intensiv genutzt werden, auch zur Vertiefung der Zusammenarbeit.

Kontakt

Dr. Rainer Henking
EurA AG
Tel. 0152 340 383 51, rainer.henking@eura-ag.de


Henning Edlerherr
Maritimes Cluster Norddeutschland, Geschäftsstelle Niedersachsen
Tel. 04404 98786-14, henning.edlerherr@maritimes-cluster.de

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