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20. Februar 2026

Fünf Fragen an … Nadine Paschen

Die digitale Transformation und der Druck zu mehr Effizienz und geringeren Emissionen verändern die Schifffahrt grundlegend. Nadine Paschen, Geschäftsführerin der TX Marine Messsysteme GmbH, setzt dabei auf pragmatische Messtechnik, globale Netzwerke und ein tiefes Verständnis des Bordalltags. Im Interview spricht sie über kleine Unternehmen, große Chancen und verrät, warum ihr Herz weiterhin im Maschinentakt schlägt.
 

Die Schifffahrt steht unter großem Druck, effizienter zu werden und Emissionen zu reduzieren. Wo setzen Sie mit Ihren Produkten an, um Ihre Kunden dabei zu unterstützen?

Ausgereifte Messtechnik und Messkonzepte sind die Grundlage für einen effizienten Schiffsbetrieb. Ohne präzise Daten lässt sich kein Motor optimieren, kein Verbrauch senken, keine Emission sauber dokumentieren. Gerade in Deutschland gibt es aber viele kleinere Reedereien, oftmals mit älteren Schiffen. Große Investitionen in neue Messtechnik übersteigen dann häufig die Möglichkeiten. Zwischen steigenden Anforderungen und begrenzten Budgets entsteht schnell Frust. Hier kommen wir ins Spiel. Ich habe selbst als Servicetechnikerin an Bord gearbeitet und weiß, wie es im Maschineraum und auf der Brücke zugeht. Dieses Verständnis hilft, gemeinsam mit dem Kunden praktikable Lösungen zu entwickeln. Dabei sehe ich in erste Linie die Schiffsbesatzung als meinen Kunden, die mit den Neuerungen arbeiten muss. Häufig lassen sich bestehende Systeme schrittweise modernisieren – deutlich kostengünstiger als eine komplette Neuinstallation. Dabei hilft der direkte Austausch mit dem Bordpersonal oder ein Bordbesuch sehr. Ein zentraler Hebel ist dabei die intelligente Datenintegration. Genau darin liegt eine unserer Stärken.

TX Marine ist ein sehr kleines Unternehmen, das sich auf einem globalen Markt gegen große Anbieter behaupten muss. Wie gelingt das?

Wir sind klein, aber extrem gut vernetzt. Dieses Netzwerk macht uns weltweit handlungsfähig und ist unser entscheidender Wettbewerbsvorteil. Wenn ein Schiff eine obligatorische Ultraschalldickenmessung durchführen muss oder vorgeschriebene Kalibrierungen von Sensoren und Messgeräten anstehen, organisieren wir kurzfristig den qualifizierten Techniker vor Ort oder erarbeiten eine Lösung – egal ob das Schiff in Australien, Asien oder Europa liegt. Für die Betreiber bedeutet das: kurze Wege, geringere Kosten und weniger Emissionen, weil Geräte nicht per Luftfracht um den Globus geschickt werden müssen. Unsere Größe erlaubt uns außerdem schnelle Entscheidungen. Wir sind nah am Kunden und das spürt man.

Ihr Geschäft, das Messen, ist naturgemäß stark datengetrieben. Welchen Einfluss haben digitale Technologien und insbesondere Künstliche Intelligenz auf Ihre Produkte und Ihr Geschäftsmodell?

Künstliche Intelligenz ist für uns aktuell vor allem ein Werkzeug zur Optimierung unserer internen Prozesse, an denen wir arbeiten und die wir zeitnah implementieren wollen. Sie ist eine enorme Unterstützung im Arbeitsalltag, etwa bei der Strukturierung und Priorisierung des E-Mail-Verkehrs oder bei administrativen Routineaufgaben. Dadurch bleibt mehr Zeit für das Wesentliche: die technischen und operativen Herausforderungen unserer Kunden. Gleichzeitig sehe ich auch die Risiken der zunehmenden Digitalisierung, insbesondere im Bereich Cybersicherheit. Vernetzte Systeme an Bord bieten enorme Effizienzpotenziale, eröffnen aber auch neue Angriffsflächen. Hier steht die gesamte maritime Branche vor großen Aufgaben.

Wenn Sie zurückblicken: Welche strategische Entscheidung der vergangenen Jahre war für die Entwicklung von TX Marine die wichtigste und warum?

Vor einem Jahr hätte ich gesagt: Unser Herz schlägt im Maschinentakt. Und das stimmt weiterhin. Messtechnik rund um den Schiffsmotor ist und bleibt unsere Kernkompetenz. Doch ich habe mir bewusst Zeit genommen, unsere strategische Ausrichtung und meine persönlichen Ziele und Kernkompetenzen zu reflektieren. Dabei wurde mir klar: Meine eigentliche Stärke liegt nicht nur in der Technik selbst, sondern im Erkennen und Lösen komplexer Probleme beziehungsweise Herausforderungen an Bord. Mit meinem technischen Hintergrund kann ich auf Augenhöhe mit der Crew ebenso wie mit den Verantwortlichen in den Reedereibüros sprechen. Deshalb haben wir unser Geschäft vom reinen Techniklieferanten stärker in Richtung Dienstleistungen weiterentwickelt – und werden diesen Weg konsequent fortsetzen. Wir sind zu dem bekannten „Telefonjoker“ geworden.

Sie zählten zu den ersten Mitgliedern des Maritimen Clusters Norddeutschland. Wie profitieren Sie von Ihrer Mitgliedschaft?

Das MCN ist für uns mehr als nur ein Netzwerk. Besonders wertvoll ist unsere Mitarbeit in der Fachgruppe „Ship Efficiency“. Ich war Mitautorin des Ship Efficiency Guide des MCN, und dieser Austausch war fachlich wie strategisch ausgesprochen bereichernd. Zuletzt durfte ich außerdem als Jurorin beim MCN Cup mitwirken. Dabei habe ich viele innovative Projekte und engagierte Persönlichkeiten kennengelernt. Die Innovationskraft, die dort sichtbar wurde, ist beeindruckend und motivierend – und sie zeigt, wie viel Dynamik in der maritimen Branche steckt.

Über Nadine Paschen

Nadine Paschen ist geschäftsführende Gesellschafterin der TX Marine Messsysteme GmbH mit Sitz im schleswig-holsteinischen Kiebitzreihe. Im 2007 von ihrem Vater Kay Paschen gegründeten Unternehmen übernahm sie 2013 die Geschäftsführung. Zuvor absolvierte sie an der Fachhochschule Lübeck ein Bachelor-Studium in Engineering and Business Administration. Nadine Paschen ist Mitglied der Wirtschaftsjunioren sowie der Women’s International Shipping & Trading Association (WISTA). Darüber hinaus ist sie als Beraterin für das Zürcher Unternehmen Nautica Technologies tätig und beschäftigt sich dort mit Robotik und automatisierten Systemen.