04. Juni 2021

Mit Methanol innovativ in die Zukunft – Lösungen statt Experimente

Man brauche Lösungen, keine Experimente, fasste Minister Olaf Lies das zusammen, was in dem vom MCN initiierten und von der embeteco GmbH & Co. KG als Netzwerkmanagement koordiniertenZIM-Netzwerk Green Meth bereits gelebt wird: die Entwicklung innovativer Technologien, die einen Beitrag zur zukünftigen Verbreitung von Methanol als sauberen und bei synthetischer Herstellung sogar klimafreundlichen Brennstoff für Schiffe in Küstenseeverkehren und in der Binnenschifffahrt leisten werden. Wichtig sei es, den Klimaschutz als Chance zur Weiterentwicklung und Motivation zu begreifen. Dafür bedürfe es auch Rahmenbedingungen, die ähnlich wie im Mobilitätssektor streng gefasst werden sollten, um ein Vorankommen zu gewährleisten, so Lies.

Nach einer kurzen Einführung in das Thema „Methanol“ und dessen Potenzial, insbesondere bei kleineren Schiffen im Smale Scale-Bereich und der Vorstellung des ZIM-Netzwerks Green Meth durch Henning Edlerherr, MCN, wurden Ideen und Lösungen aus dem Netzwerk präsentiert.

Torsten Westphal, ARKON Shipping stellte den Klimaschutz in der Schifffahrt aus Anwendersicht anhand des Neubauprojekts „Hanse Eco“ (Rhenus-ARKON Shipinvest) vor. Die Hanse-Eco-Schiffe zeichnen sich durch eine Reihe von Optimierungen im Vergleich zur herkömmlichen Bauweise aus und sparen durch ihr besonders effizientes Design und ein diesel-elektrisches Antriebssystem bereits 50 Prozent CO2 ein. Das Unternehmen hat sich aufgrund seiner Erfahrungen auf den Kraftstoff Methanol festgelegt. Durch Retrofitmaßnahmen bei vor allem kleinen Bestandsschiffen und der Anwendung des Hanse Eco Designs bei Neubauten, läge großes Potenzial, um die Auswirkungen auf das Klima signifikant zu senken. Als nächster konsequenter Schritt wurde daher für das Jahr 2023 die nächste Baureihe „Hanse Methanol“ angekündigt.

Welcher Kraftstoff für welches Unternehmen sinnvoll ist, hängt von vielen Faktoren ab und ist nicht immer leicht zu beantworten. Professor Dr. Jürgen Sorgenfrei vom Institute of Northern-European Economic Research der Northern Business School, wies darauf hin, dass potenzielle Investoren in Schiffstonnage aktuell durch eine Vielzahl von möglichen Treibstoffen verunsichert und abgeschreckt würden. Viele potenziell mögliche Treibstoffe seien in der Regel nicht für den jeweils vorliegenden Anwendungsfall bzw. für das vorliegende Schiffsbetriebsprofil eingehend evaluiert worden. Der Mangel an Instrumenten für eine fundierte Entscheidungsmöglichkeit verzögere die Einführung von emissionsarmen Kraftstoffen. Um diesen entgegenzuwirken wurde die Idee entwickelt, ein digitales Werkzeug - das „Treibstoff-Analyse-Tool“ - für die maritime Wirtschaft zu entwickeln, dessen Ergebnisse Unternehmen als fundierte Entscheidungsgrundlage zur Auswahl eines für die individuellen Bedürfnisse passenden alternativen Treibstoffs dienen kann.

Dietrich Schulz, Liberty Pier Maritime Projects, widmete sich der Frage, wie die Forderungen von Fridays for Future in der Schifffahrt wahr werden können und lobte das Engagement der jüngeren Generation. Mit den richtigen Rahmenbedingungen, einer effizienten Planung und Lösungen für Retrofit könne man den Anforderungen nachkommen. Er ist fest davon überzeugt, dass auch der Endverbraucher, die zunächst höheren Kosten für grünes Methanol mittragen würde. Klimaschutz sei als Chance für die maritime Industrie in Deutschland zu sehen. Gemeinsam mit dem Konstruktionsbüro SDC – Shipdesign und Consult sind Schiffsentwürfe für methanol-betriebene Frachter erarbeitet worden, die in die Umsetzung gebracht werden sollen.

Auch im Retrofit lägen besondere Chancen, eine Dekarbonisierung der Schifffahrt zu erreichen. Es gäbe zu wenige Neubauten, um bis 2050 die gesamte Flotte zu ersetzen. Die Nachrüstung von Bestandsschiffen sei ein guter Kompromiss, um wirtschaftlich und vor allem schnell einen signifikanten Anteil an Schiffen klimafreundlicher betreiben zu können und dabei Investitionssicherheit für die Schiffsbetreiber zu erzielen, so Prof. Dr. Rom Rabe von der Hochschule Wismar. Er zeigte anhand einer Projektidee auf, wie unter Zusammenarbeit mehrerer Kooperationspartner Bestandsmotoren mit Leistungen zwischen 1 MW und 4 MW mit Methanol und Diesel in variablen Anteilen betrieben werden könnten, um volle Flexibilität für den Endkunden auch im Hinblick auf eine aufzubauende Bunkerinfrastruktur zu erreichen. Ein Förderantrag ist im Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand gestellt worden.

Motoren in der Leistungsklasse zwischen 200 und 415 kW sind schon heute über das MCN und Green Meth-Mitglied ScanDiesel GmbH verfügbar. Im Rahmen der Arbeit im Netzwerk werden diese Motoren weiterentwickelt.

Das ZIM-Netzwerk befasst sich zudem mit sicherheitstechnischen Fragestellungen – Methanol hat aufgrund des niedrigen Flammpunkts hohe Anforderungen an Brandschutz und Sicherheit. HSMC entwickelt hier ein innovatives Dämmmaterial, wodurch sich diese Anforderungen auf innovative Weise gut umsetzen lassen. 

Matthias Brucke, Manager des Green Meth Netzwerkes betonte, dass mittelständische Unternehmen durch Kooperation und Zusammenarbeit und gemeinsame Innovationsvorhaben einen großen Beitrag zur weiteren Umsetzung der ehrgeizigen Ziele leisten können.

„Klimaschutz heißt nicht abschalten, sondern heißt Innovation, Veränderung und Nutzen von Chancen. Die technischen Lösungen sind schon da. Wir müssen sie nur umsetzen. Wir brauchen erneuerbaren Strom, erneuerbare Gase und nachhaltig erzeugte Kraftstoffe, wie grünes Methanol und Kerosin. Und wir brauchen jetzt einen konsequenten Schritt zu großen Lösungen, um die Transformation von Wirtschaft, Verkehr und Schifffahrt sowie die Klimaziele zu erreichen“, so Olaf Lies, Niedersächsischer Minister für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz.

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Weitere Informationen, wie die Präsentationen und ein Informationsblatt zum ZIM-Netzwerk finden Sie unter: www.maritimes-cluster.de/maritimer-kalender/mit-methanol-innovativ-in-die-zukunft/

 

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Über das Green Meth ZIM-Netzwerk

In dem vom MCN initiierten und von der embeteco GmbH & Co. KG als Inhaberin des Netzwerkmanagements begleiteten ZIM-Netzwerk Green Meth werden innovative Technologien entwickelt, die einen Beitrag zur zukünftigen Verbreitung von Methanol als sauberen und bei synthetischer Herstellung sogar klimafreundlichen Brennstoff für Schiffe in Küstenseeverkehren und in der Binnenschifffahrt leisten werden. Die Förderung des Netzwerks und der ersten Projekte erfolgt durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages im Rahmen des Förderprogramms Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM).

 

Über das Maritime Cluster Norddeutschland

Das Maritime Cluster Norddeutschland (MCN) fördert und stärkt die Zusammenarbeit in der norddeutschen maritimen Branche. Es ermöglicht Plattformen des Dialogs der Akteure untereinander und fördert Innovation und Schnittstellen zu anderen Branchen. Mit Geschäftsstellen in Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein ist das MCN präsent und kooperiert mit den Akteuren vor Ort. Es unterstützt unter anderem bei der Suche nach Innovationspartnern, informiert zu Förderprogrammen und vermittelt Kontakte in die maritime Branche. Mehr als 350 Unternehmen und Institutionen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik sind Mitglied im MCN. Insgesamt zehn Fachgruppen koordiniert das MCN zu den Themen Innovationsmanagement, Maritime Informations- und Kommunikationstechnologien, Maritimes Recht, Maritime Sicherheit, Maritime Wirtschaft Offshore Wind, Personal und Qualifizierung, Schiffseffizienz, Unterwasserkommunikation, Yacht- und Bootsbau sowie Clusterfunk.
Das Maritime Cluster Norddeutschland wurde 2011 gegründet. Zunächst arbeiteten die Länder Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein in dem länderübergreifenden Cluster zusammen, im September 2014 kamen auch Bremen und Mecklenburg-Vorpommern hinzu. Seit 2017 agiert das MCN als Verein.

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