29. September 2022

Maritimes Cluster Norddeutschland veröffentlicht Leitfaden zum Thema Schiffseffizienz

Einer der wichtigsten Hebel für mehr Umweltschutz in der Schifffahrt ist ein effizienter Betrieb der Schiffe. Da es mit dem Efficiency Design Index (EEDI), dem Energy Efficiency Existing Ship Index (EEXI) und dem Carbon Intensity Indicator (CII) inzwischen einige Vorschriften in Bezug auf Nachhaltigkeit und Klima gibt, die bereits in Kraft sind oder dies in Kürze sein werden, haben Mitglieder der Fachgruppe Schiffseffizienz des Maritimen Cluster Norddeutschland (MCN) die Erarbeitung eines Leitfadens initiiert, der in den vergangenen Monaten gemeinsam mit Expert:innen entwickelt wurde.

Auf einer Veranstaltung des Maritimen Clusters am 28. September wurde die MCN-Guideline Ship Efficiency nun im niedersächsischen Jork erstmals öffentlich präsentiert. Gerichtet ist der Leitfaden, der in regelmäßigen Abständen aktualisiert und ergänzt werden soll, an Reedereien, Schiffsbetreiber:innen und andere Akteur:innen der maritimen Wirtschaft. Ziel des Dokuments ist es, einen Überblick über die bestehenden Regularien in der internationalen Seeschifffahrt zu geben und technische Möglichkeiten zur Verbesserung des Schiffsbetriebs darzustellen, welche geeignet sind, um die Effizienz nicht nur bei Schiffsneubauten, sondern auch bei Bestandsschiffen zu verbessern.

Besonders detailliert in den Blick genommen wird die Frage, wie unter anderem mit modernen CO2-neutralen und -freien Schiffskraftstoffen die regulatorischen Anforderungen der IMO (International Maritime Organization) in Bezug auf Effizienz und Nachhaltigkeit erfüllt werden können. Dazu liefert das insgesamt 70-seitige Papier detaillierte Informationen zu den wichtigen Kraftstoffen Schweröl, Marinediesel, LNG, LPG, Methanol, Ethanol, Bioheizöl (FAME), Ammoniak (gekühlt und unter Druck), flüssiger Wasserstoff (LH2) und gasförmiger Wasserstoff (GH2).

Eine ergänzende Vergleichsmatrix zeigt – unterstützt durch farbliche Markierungen – die Auswirkungen der unterschiedlichen Kraftstoffe unter anderem im Hinblick auf die Verfügbarkeit von Motoren, den benötigten Platz für Tanks und die Verfügbarkeit des Bunkers. Dies soll eine erste Einschätzung hinsichtlich der Umsetzbarkeit für die schiffstechnische Anwendung ermöglichen. Darüber hinaus gibt die Tabelle mithilfe der Ampelfarben Aufschluss über die derzeitige Erreichbarkeit der Ziele der IMO für 2050.

In einer zweiten Bewertungsmatrix zeigt der Leitfaden Entscheidungsträger:innen wichtige technische Ansätze und Maßnahmen zur Effizienzsteigerung auf, verbunden mit ihrer Auswirkung auf die relevantesten Kennzahlen wie Investitionsausgaben, Rendite und CII, EEDI beziehungsweise EEXI, aber auch die Effekte auf Geschwindigkeit, Betriebsstunden und Nutzlast.

„Wir sind sehr stolz auf die Ergebnisse, die unsere Fachgruppe und weitere Expert:innen zu Papier gebracht haben“, betonte Katrin Caldwell, Leiterin der MCN-Geschäftsstelle Mecklenburg-Vorpommern, von der die Fachgruppe Schiffseffizienz gemeinsam mit der MCN-Geschäftsstelle Schleswig-Holstein koordiniert wird. „Der Leitfaden soll als Entscheidungsgrundlage dienen sowie einen schnellen Überblick liefern. Gleichzeitig möchten wir darauf hinweisen, dass sich die Technologien schnell wandeln, neue hinzukommen und wir an Updates der Guideline arbeiten werden.“

„Insbesondere die Matrix zu den technischen Lösungen muss kontinuierlich vervollständigt und aktualisiert werden, weil auch weiterhin neue Lösungen hinzukommen“, unterstrich Dr. Lars Greitsch, Geschäftsführer bei Mecklenburger Metallguss und bis vor Kurzem Leiter der Fachgruppe Schiffseffizienz. „Darüber hinaus können neue Erkenntnisse bei vorhandenen Technologien gewonnen werden, die dann entsprechend eingestuft werden müssen.“

Richard Marioth stellte seine Empfehlungen im Umgang mit den neuen Regularien vor. „Hochwertige Daten und Evaluierungsprozesse sind unerlässlich, um zu wissen wo man steht und wo es Handlungsbedarf gibt“, betonte das Mitglied der Fachgruppenleitung Schiffseffizienz, und führte weiter aus: „Von besonderer Bedeutung ist die Trockendockung, denn hier entscheidet sich durch die Wahl des Anstrichs und möglicher propulsionsverbessernden Maßnahmen in circa zehn Tagen, wie die Performance des Schiffs in den nächsten fünf Jahren sein wird.“ Eine Übersicht zu möglichen propulsionsverbessernden Maßnahmen ist unter anderen in der Technologiematrix der vorgestellten Guideline zu finden.

Die MCN-Guideline Ship Efficiency können Sie per E-Mail an ines.jahnke@maritimes-cluster.de anfordern.

 

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Über das Maritime Cluster Norddeutschland

Das Maritime Cluster Norddeutschland (MCN) fördert und stärkt die Zusammenarbeit in der norddeutschen maritimen Branche. Es ermöglicht Plattformen des Dialogs der Akteur:innen untereinander und fördert Innovation und Schnittstellen zu anderen Branchen. Mit Geschäftsstellen in Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein ist das MCN präsent und kooperiert mit den Akteur:innen vor Ort. Es unterstützt unter anderem bei der Suche nach Innovationspartner:innen, informiert zu Förderprogrammen und vermittelt Kontakte in die maritime Branche. Mehr als 350 Unternehmen und Institutionen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik sind Mitglied im MCN. Insgesamt neun Fachgruppen koordiniert das MCN zu den Themen Innovationsmanagement, Maritime Informations- und Kommunikationstechnologien, Maritimes Recht, Maritime Sicherheit, Maritime Wirtschaft Offshore Wind, Personal und Qualifizierung, Schiffseffizienz, Unterwasserkommunikation sowie Yacht- und Bootsbau.
Das Maritime Cluster Norddeutschland wurde 2011 gegründet. Zunächst arbeiteten die Länder Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein in dem länderübergreifenden Cluster zusammen, im September 2014 kamen auch Bremen und Mecklenburg-Vorpommern hinzu. Seit 2017 agiert das MCN als Verein.

 

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