Das Thema Sicherheit fest im Blick

Die maritime Industrie steht vor rasant wachsenden Sicherheitsaufgaben. „Umso wichtiger und hilfreicher ist das Netzwerk in der MCN-Fachgruppe Maritime Sicherheit“, betont Carl Wrede, stellvertretender Direktor des DLR-Institutes für den Schutz maritimer Infrastrukturen und neues Mitglied der Fachgruppenleitung.
Wenn es um Fragen der Sicherheit geht, ist die englische Sprache viel präziser als die deutsche: „Safety“ meint vor allem den Schutz vor Unfällen oder technischem Versagen. „Security“ bezieht sich dagegen auf das Verhindern von gezielten Attacken und Störungen. „In der Vergangenheit haben wir uns im maritimen Bereich vor allem mit ,Safety’ beschäftigt“, sagt Carl Wrede, „spätestens seit vier Jahren ist deutlich geworden, wie wichtig auch das Thema ,Security’ für uns ist.“ Als Nautiker hat sich Wrede nach dem Studium zunächst an Bord und später dann im Landbetrieb einer Reederei mit Arbeits- und Unfallschutz befasst. Zwischenzeitlich absolvierte er an der Universität Leicester den Masterstudiengang „Risk, Crisis and Desaster Management“. Seit 2018 arbeitet er am DLR-Institut für den Schutz maritimer Infrastrukturen in Bremerhaven dessen stellvertretender Direktor Wrede inzwischen ist. Seit kurzem ergänzt er zudem die Leitung der MCN-Fachgruppe Maritime Sicherheit.
„Es wurde deutlich, dass unser Alltag im maritimen Bereich enorm verletzlich ist“
Gefahren von außen spielten in der maritimen Branche viele Jahre eine deutlich kleinere Rolle als heute. Die Technik an Land und an Bord hatten die Unternehmen im Griff, im Arbeits- und Unfallschutz waren sie bestens aufgestellt. Und in Security-Fragen schien der nach dem Anschlag auf das World Trade Center am 9. September 2001 entwickelte ISPS-Standard in Häfen und auf Schiffen ein ausreichender Schutz vor Störungen von außen zu sein. Mit den jüngeren geopolitischen Entwicklungen setzte ein Umdenken ein. Aktuelle Ereignisse wie der Angriff auf die Nordstream-Pipelines, die augenscheinlich gezielt herbeigeführten Schäden an Datenleitungen in der Ostsee und nicht zuletzt auch die GPS-Störungen in der Schifffahrt rüttelten nicht nur die maritime Industrie, sondern auch Politik und Gesellschaft wach: „Es wurde deutlich, dass unser Alltag nicht nur im maritimen Bereich, sondern auch an Land enorm verletzlich ist, wenn die maritime Infrastruktur nicht ausreichend geschützt ist“, erklärt Wrede.
Mit seinem Hinweis auf denkbare und auch schon erlebte Gefahren verdeutlicht Carl Wrede die Relevanz des Themas „Maritime Sicherheit“: „Es gibt bereits sehr viele Institutionen und Organisationen, die sich intensiv damit befassen.“ Eine eigene Fachgruppe für Fragen der maritimen Sicherheit im Maritimen Cluster Norddeutschland ist für Wrede mehr als ein weiterer Arbeitskreis, sondern ein für die maritime Wirtschaft sinnvolles und notwendiges Angebot: „Es ist ein Netzwerk, das zum einen die Themen der Branche zu anderen Stakeholdern nach außen trägt. Und zum anderen macht es der maritimen Branche externe Kompetenz zugänglich.“
Das Ziel der Fachgruppe: Die Resilienz der maritimen Wirtschaft stärken
Die Fachgruppe hat dabei zwei Themenkomplexe besonders im Blick: „Erstens wollen wir die Stellen identifizieren, an den unsere Branche besonders störanfällig sein könnte. Und zweitens will die Fachgruppe dazu beitragen, die Resilienz der maritimen Wirtschaft zu stärken“, erläutert Carl Wrede. Insbesondere der zweite Aspekt erfordert nach Wredes Überzeugung ein aktives Engagement der Wirtschaft: „Am DLR und in anderen Forschungseinrichtungen können wir sicherlich geeignete Technologien zum Schutz der maritimen Infrastruktur entwickeln“, ist er überzeugt, „aber die praktische Umsetzung und Anwendung im Alltag der Branche kann nur innerhalb der Wirtschaft selbst erfolgen“. Für ihn ist deshalb klar: „Es lohnt sich für jedes MCN-Mitglied, seine eigenen Themen, Fragen und natürlich auch Kompetenz in die Fachgruppe einzubringen.“
