23. Dezember 2022

Zukunft ohne Spätfolgen

Als Leiter der Geschäftsstelle Schleswig-Holstein des Maritimen Clusters Norddeutschland (MCN) kümmert sich Peter Moller mit seinem Team um die Weiterentwicklung, Vernetzung und Stärkung der maritimen Wirtschaft. Dabei hat er aktuell besonders das Thema Munitionsbergung im Blick.

Norddeutschland ordnet man Peter Moller nicht auf Anhieb zu. Schließlich ist sein Zungenschlag auch nach 18 Jahren hier noch etwas bayrisch geprägt. Das Herz des 54-Jährigen schlägt jedoch seit seiner Kindheit für die maritime Welt. „Viele schöne Gewässer gibt es natürlich auch in Bayern, aber die See hat mich immer noch ein wenig mehr fasziniert als die Seen“, unterstreicht der passionierte Segler.

Als sich der gebürtige Oberbayer 2019 erfolgreich als Geschäftsstellenleiter des MCN bewarb, schloss sich auch beruflich der Kreis. Mit seinem langjährigen in Hamburg ansässigen Arbeitgeber – der Wirtschaftsförderungsagentur Neuseelands – nach Berlin umzuziehen sei keine Option gewesen. „Ich wollte schon lange rein maritim arbeiten und hier im Norden bleiben, insofern kam mir das Stellenangebot in Kiel nach 14 Jahren sehr gelegen“, berichtet Moller, der nach seinem betriebswirtschaftlichen Studium an der FH Rosenheim und in Wales zuvor in der chemischen Industrie und in zwei Unternehmensberatung arbeitete, unter anderem im maritimen Sektor.

Als Geschäftsstellenleiter des MCN weiß er, dass Nachhaltigkeit in der maritimen Branche immer mehr an Bedeutung gewinnt, und daher seit Jahren ein inhaltlicher Schwerpunkt des MCN hierauf liegt. „Wir kümmern uns um Nachhaltigkeitsthemen wie alternative Schiffsantriebe, Digitalisierung um Transport und Warenumschlag emissionsfreier zu gestalten, Recycling von Booten und Schiffen und nachhaltige Methoden im Schiffbau wie Leichtbau und additive Fertigung.“ Ein oft vergessener, aber wichtiger Aspekt in diesem Kontext sei jedoch die Bergung von Munitionsaltlasten aus dem zweiten Weltkrieg.

„Allein in der deutschen Nord- und Ostsee liegen insgesamt rund 1,6 Millionen Tonnen“, berichtet Moller. „Auf einen Güterzug geladen würde dieser bei 70 Tonnen pro Waggon von Kiel bis Hannover reichen“. Bei etwa 5.000 Tonnen davon handelt es sich um chemische Kampfstoffe: „80 Prozent der Gefahr geht von 20 Prozent aus“, unterstreicht Moller. Munition wurde und wird weltweit im Meer verklappt – von Australien bis USA. Ein besonderes Problem besteht in der Ostsee allerdings darin, dass die meisten Munitionsaltlasten nur in zwei bis drei Kilometer Entfernung vom Strand versenkt wurden, das Meer oft nur 30 Meter tief ist und kaum Strömung hat und deshalb das Gefährdungspotenzial nicht zu unterschätzen ist.

Immerhin: „99 Prozent der Munitionsaltlasten in der Ostsee sind bekannt“, so Moller. „Allerdings ist die Munition im Alltag nicht sichtbar und es fehlt in der Öffentlichkeit am Bewusstsein über die möglichen Gefahren. Zudem seien größere Unglücke bisher sehr selten. „Die potenziellen Gefahren für Mensch und Umwelt sind jedoch groß“, betont Moller.

Lösungsansätze gibt es auch – und hier kommt die maritime Wirtschaft ins Spiel: „Es gibt sehr durchdachte Konzepte für Bergungsplattformen, die Munition sowohl bergen als auch entsorgen können“, berichtet Moller. Allerdings liegen die Kosten hierfür im hohen zweistelligen Millionenbereich. Und um großflächig Räumen zu können, werden mehrere davon benötigt, welche dann immer noch zehn Jahre damit beschäftigt sind, um die Munition in Nord- und Ostsee komplett zu bergen und zu entsorgen.

Jetzt nimmt das Thema politisch endlich mehr Fahrt auf: Anfang November beschloss der Haushaltsausschuss des Bundestages, die Mittel für eine Bergungsplattform auf 102 Millionen Euro aufzustocken. Nun muss die Technologie für die großflächige Bergung und Entsorgung gebaut werden. „Da entsteht ein ganz neuer Wirtschaftszweig“, freut sich Moller, der hier nun genau das tun kann, was seine Aufgabe als Geschäftsstellenleiter ist: Die Weiterentwicklung, Vernetzung und Stärkung der Akteur:innen vorantreiben, damit bald alle Altlasten geborgen und vernichtet sind.

Kontakt

Peter Moller, Geschäftsstellenleitung MCN Schleswig-Holstein
peter.moller@maritimes-cluster.de, 0431 66666-868