27. Februar 2019

Fünf Fragen an ... Klaus Küper

Klaus Küper, Briese Research

Bildrechte: Klaus Küper

Forschungsschiffe fahren zu exotischen Zielen und liefern wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse. Voraussetzung für den Erfolg der Wissenschaftler ist ein spezialisiertes, zuverlässiges Shipmanagement. Von den Herausforderungen, aber auch von der Faszination dieses Zweigs der Schifffahrt berichtet Klaus Küper von Briese Research.

MCN: Herr Küper, was genau macht die Briese Research?

Küper: Briese Research ist eine Abteilung der Reederei Briese in Leer, die sich als Dienstleister für wissenschaftliche Institute um das Management deren Forschungsschiffe kümmert. Konkret bedeutet dies, dass wir die Schiffe unter anderem technisch betreuen, sie mit Treibstoff, Proviant und Ersatzteilen versorgen und das seemännische Personal für die Schiffe bereitstellen. Die Aufgabe der Reederei ist es im Prinzip, die Forschungsschiffe jederzeit seetüchtig und einsatzbereit zu halten, damit die Wissenschaftler diese für ihre Forschungsvorhaben nutzen können. Momentan betreuen wir neun Forschungsschiffe, die überwiegend international im Einsatz sind.

MCN: Wie kommt Briese Research an diese interessanten Aufträge?

Küper: Das Kerngeschäft der Reederei Briese ist eigentlich ein anderes: Wir managen rund 150 Frachtschiffe im weltweiten Einsatz. Das war anfangs auch mein Tätigkeitsfeld als ich vor 20 Jahren in die Reederei kam. Mit der Forschungsschifffahrt haben wir in 2004 angefangen. Zu dem Zeitpunkt kam eine EU-weite Ausschreibung für mittelgroße Forschungsschiffe auf meinen Tisch. Ich fand diesen Zweig der Schifffahrt gleich sehr faszinierend. Der Gewinn dieser Ausschreibung war letztendlich der Startschuss für unser Engagement in der Forschungsschifffahrt. Im Laufe der Jahre konnten wir dann weitere EU-weite Ausschreibungen für uns entscheiden und das Geschäft ausbauen. Für die Reederei Briese war und ist dies eine interessante Herausforderung und natürlich auch ein Aushängeschild. Spätestens in der Schifffahrtskrise zeigte sich, wie vorteilhaft es ist, die in diesem Zweig üblichen langlaufenden Verträge zu haben.

MCN: Was fasziniert Sie persönlich an der Forschungsschifffahrt?

Küper: Das Management von Forschungsschiffen ist eine sehr anspruchsvolle und komplexe Arbeit. Das ist für mich ein großer Ansporn. Persönlich finde ich die Erforschung der Tiefsee, über die wir ja immer noch sehr wenig wissen, besonders faszinierend. Die Wissenschaft ist heute in der Lage, ferngesteuerte Fahrzeuge in 10.000 Meter Wassertiefe auf dem Meeresboden abzusetzen. So ein Gerät kostet schnell eine Million Euro und mehr – da darf nichts schiefgehen. An jeder Forschungsreise hängen aufwändige wissenschaftliche Projekte. Die wissenschaftlichen Teilnehmer haben zum Teil jahrelang darauf hingearbeitet, zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort im Pazifik oder Atlantik eine Messung zu machen und erwarten von uns zurecht allergrößte Präzision. Das ist eine interessante Herausforderung. Zur Faszination trägt für mich bei, dass diese Forschungsfahrten einen relevanten Beitrag zur Wissenschaft leisten, etwa in der Tsunami- oder Klimaforschung. Auf diese Weise Teil davon sein zu können, ist für mich eine tolle Erfahrung.

MCN: Viele Branchen kämpfen heute mit Personalmangel und Nachwuchssorgen. Sie auch?

Küper: Ja, natürlich bleiben auch wir von diesem Problem nicht verschont. Das hat, glaube ich, auch mit dem Image der Seefahrt zu tun, das unter der Schifffahrtskrise sehr gelitten hat. Dabei ist der Beruf an Bord – sei es als Nautiker, Techniker oder Schiffsmechaniker attraktiv und vielseitig. Besonders die Forschungsschifffahrt bietet sichere Arbeitsplätze und interessante Entwicklungsmöglichkeiten. Natürlich ist das kein Nine-to-Five-Job, die Schiffe sind ja wochen- und monatelang unterwegs. Aber gerade die Forschungsschifffahrt mit ihren oft exotischen Reiserouten sind absolut faszinierend. Ich könnte mir als Seemann keinen besseren Arbeitsplatz vorstellen.

MCN: Was versprechen Sie sich von Ihrer Mitgliedschaft im Maritimen Cluster Norddeutschland?

Gerade beim Thema Ausbildung kann das Cluster nach unserer Erfahrung ganz konkret helfen. Das Cluster hat viele Verbindungen, kennt die richtigen Ansprechpartner zum Beispiel in berufsbildenden Einrichtungen und Arbeitsagenturen. Da kommt das Netzwerk sehr positiv zum Tragen.

 

Über Klaus Küper

Klaus Küper leitet die Abteilung Forschungsschifffahrt (Research) des in Leer ansässigen Unternehmens Briese Schiffahrt. Bevor der gebürtige Leeraner (Jahrgang 1963) vor 20 Jahren seine Landkarriere bei Briese begann fuhr er nach Schulende zunächst als Matrose und nach Abschluss seines Studiums später als Kapitän zur See.
http://briese-research.de/