27. April 2021

Das Maritime Cluster Norddeutschland unterstützt Bremer Schiffbauingenieure bei der Standortsuche für nachhaltiges Schiffsrecycling

Schiffsrecycling, Umwelt

Karsten Schumacher und Simeon Hiertz Bildrechte: Leviathan Technologies GbR

An den Stränden Asiens werden jährlich hunderte Schiffe unter unwürdigen Bedingungen von Hand zerlegt. Die Auswirkungen für die Umwelt sind sogar auf Satellitenbildern zu erkennen: Schweröl und andere Schadstoffe laufen ungehindert in den Boden oder direkt ins Meer. Kunststoffe werden an Ort und Stelle verbrannt. Nicht selten kommt es zu tödlichen Unfällen. Seit einigen Jahren mehrt sich der gesellschaftliche Druck, diese halb-illegale Form der Entsorgung von Schiffen nicht länger zu dulden. Durch die gängige Praxis des Flaggenwechsels kurz vor Ende der Lebenszeit ist dies aber weiterhin möglich.
Zwei Bremer Schiffbauingenieure sind nun angetreten, nachhaltiges Recycling von Schiffen im industriellen Maßstab in Deutschland umzusetzen. Simeon Hiertz und Karsten Schumacher haben dazu 2020 die Leviathan Technologies GbR gegründet. Der Fokus liegt darauf, einen Betrieb aufzubauen, welcher sauberes Schiffsrecycling unter Einhaltung aller Umweltauflagen ermöglichen soll. Dazu haben sie sich während ihrer Tätigkeit als Sachverständige für Schiffe bereits immer wieder Gedanken gemacht und nach innovativen Lösungen Ausschau gehalten. Bei Gesprächen am Grill und gelegentlichen Treffen auf ein Bier wurde über 10 Jahre an der Idee gefeilt. Nun wird sie in die Tat umgesetzt. 
„Was auf den ersten Blick gewagt klingt, ist durch Einsatz modernster Schneidtechnik per Wasserstrahl und weitgehender Automatisierung durchaus realistisch“, erzählt Simeon Hiertz. „Eigene Versuche an Testobjekten zeigten, dass eine saubere Schneidtechnik den CO2-Ausstoß in der Zerlegung um den Faktor 300 reduzieren kann. Auch die Arbeitsprozesse können derart mechanisiert werden, dass die sichere und wirtschaftliche Verwertung von Schiffen im industriellen Maßstab möglich ist.“ Die beiden Gründer beabsichtigen eine international konkurrenzfähige Anlage zum Recycling von Schiffen zu errichten. „Die Standortsuche für ein solches Vorhaben ist nicht ganz einfach,“ so Karsten Schumacher, „aber durch das hervorragende Zusammenspiel von Politik und Wirtschaft bietet uns Cuxhaven aktuell sehr gute Chancen.“ 

Das Maritime Cluster Norddeutschland, insbesondere die Geschäftsstellen Bremen und Niedersachsen, haben bei der Standortsuche einen großen Beitrag geleistet und die relevanten Kontakte hergestellt. „Wir freuen uns, den Prozess auch weiterhin unterstützend zu begleiten.“, so Dr. Susanne Neumann, Leiterin der MCN Geschäftsstelle Niedersachsen. 

Die besonders günstige geographische Lage direkt an den Hauptschifffahrtsrouten ist hierbei auch ein erheblicher Vorteil. So könnten, wenn das Konzept umgesetzt wird, bis zu 100 zukunftssichere und krisenfeste Arbeitsplätze am Standort entstehen. Sobald der finale Standort gefunden ist, soll Leviathan die Zulassung für das Recycling von Schiffen gemäß EU-Verordnung 1257 erhalten. Dazu führen die beiden bereits konstruktive Gespräche mit dem niedersächsischen Umweltministerium. Ein weiterer Aspekt ist, dass die europäische Stahlindustrie vor der Mammutaufgabe steht, den CO2-Ausstoß ihrer Produktion zu senken. Hier spielt der Einsatz von Recyclingstahl eine Schlüsselrolle und die schiere Menge an Stahlschrott im Konzept der Leviathan könnte zur gleichen CO2-Einsparung führen wie 2000 Windkraftanlagen. 

Schumacher: „Der Nachhaltigkeitsgedanke ist in Deutschland angekommen, jetzt ist es an der Zeit diesen in der maritimen Wirtschaft zu verankern. Unsere Mission ist es, dieses Thema mit maximaler 
Transparenz und Öffentlichkeit anzugehen. Daher werden wir regelmäßig auf unserer Website über die Entwicklung und Umsetzung des Konzepts berichten.“

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