28. Juli 2021

Das Beste draus gemacht

Ob persönlich, gesellschaftlich, wirtschaftlich oder politisch: In irgendeiner Weise von der Corona-Pandemie betroffen sind alle. Die maritime Wirtschaft bildet hier keine Ausnahme. Allerdings: „Die Folge sind glücklicherweise bisher nur vereinzelt Insolvenzen“, sagt Jessica Wegener, Geschäftsführerin des Maritimen Clusters Norddeutschland (MCN). Darüber hinaus gebe es mehr Konsolidierungen, insbesondere bei den Werften. „Nach einer für viele herausfordernden Zeit beobachten wir aber auch wieder sehr positive Geschäftsentwicklungen.“

Digitalisierungsschub bei embeteco

Ein Beispiel dafür ist das Hightechunternehmen embeteco aus Oldenburg. „Natürlich stellt Corona alle vor Herausforderungen, entscheidend ist aber, wie man damit umgeht“, unterstreicht Gründer und Inhaber Matthias Brucke. „Wir haben im letzten Jahr zum Beispiel viele unserer Kunden bei deren ersten Schritten in der digitalen Welt unterstützt und gemeinsam einen Riesenschritt gemacht“, freut sich Brucke.

Ein weiterer positiver Effekt: „Das Reisen entfällt, was gut für die Umwelt ist und viel Zeit spart.“ Nach fast einem Jahr erfolgreicher Telearbeit seien die gemieteten Räume bis auf einen Besprechungsraum und einen Co-Working Raum für die Kolleg*innen, die mal von zu Hause raus müssen, gekündigt worden, was auch noch Geld spare. „Corona hat uns als Unternehmen einiges an Anstrengungen abverlangt, aber wir haben uns schnell weiterentwickelt, was sonst vielleicht länger gedauert hätte“, so das Resümee.

Digitaler Vertrieb funktioniert

„Vor der Pandemie wurden unsere Systeme zu 95 Prozent von unseren Service-Technikern installiert“, berichtet der Mitgründer und Sales Director des Produzenten von Ultraschall-Antifoulingsystemen Hasytec aus Schönkirchen bei Kiel, Jan Kelling. Inzwischen sei das System so angepasst worden, dass die Kunden es in 80 bis 90 Prozent der Fälle selbst installieren.

Das Frühjahr 2020 sei herausfordernd gewesen: „Rund fünf Wochen wussten wir damals nicht, wie es weitergeht und haben das gesamte Team in Kurzarbeit geschickt“, so Kelling. „Dann hatten wir Glück, dass eine größere Bestellung vorgezogen und auch gleich bezahlt wurde.“ Geholfen habe zudem die Auszeichnung mit dem deutschen Innovationspreis im April 2020, die dem Unternehmen eine erhöhte Aufmerksamkeit beschert habe. „Seit September bis heute läuft unsere Produktion unter Volllast“, berichtet Kelling. „Unsere Entscheidung, die Entwicklung im Höchsttempo voranzutreiben, war damals eine mutige finanzielle Entscheidung, gibt uns aber nun einen gewissen Vorsprung.“ Was den Sales Director am meisten überrascht hat: „Ich hätte nicht gedacht, dass Vertrieb in der Schifffahrt ohne persönliche Treffen funktioniert. Tatsächlich geht das überraschend gut.“

Lager aufgefüllt und erhöht

„Um die Kinderversorgung zu gewährleisten konnten einige Mitarbeiter nicht mehr in der normalen Arbeitszeit arbeiten, sondern zum Beispiel von 4 bis 12 Uhr oder von 16 bis 24 Uhr“, berichtet Sven Buckenberger. Also entschloss sich der Geschäftsführer beim Hersteller für Kabelverschraubungen, Ernst Heinrich in Hamburg dazu, die Mitarbeiter ihre Arbeitszeit frei wählen zu lassen. Die Maschinen liefen dadurch rund um die Uhr. Als die Lagerbestände der Standardartikel übervoll waren, wurden „Exoten“ angefertigt, zum Beispiel Reduzierungen und Erweiterungen.

„Natürlich war es ein gewisses Risiko, so viel zu produzieren.“ Da er es aber aus eigenen Mitteln finanzieren konnte, über genügend Lagerfläche verfügt und das größte Risiko der ohnehin schwankende Messingpreis sei, habe er seinen Mut nicht bereut. Im Gegenteil: Es sei genau die richtige Entscheidung gewesen, da es sich im laufenden Geschäft nicht lohnt, die Maschine für 100 Exotenteile umzurüsten. „Wir konnten den Bestand im Lager nicht nur um 25 Prozent hinsichtlich der Stückzahl erhöhen, sondern auch unser lagermäßig verfügbares Portfolio erweitern“, unterstreicht Buckenberger. „So sind wir jetzt vollumfänglich lieferfähig.“

Unterstützung und Vernetzung in Pandemiezeiten

Auch in der Krise hat das Maritime Cluster Norddeutschland den Dialog zwischen den Mitgliedern bestmöglich unterstützt. In regelmäßigen Umfragen zur aktuellen Situation, erfasste das MCN die Bedarfe der Mitglieder und weiterer Branchenvertreter*innen. „Aus den Umfrageergebnissen haben wir wertvolle Erkenntnisse gezogen, die wir unter anderem an die Krisenstäbe der Länder weitergeleitet haben. Die Antworten dienten aber auch dazu, unsere Mitglieder anzusprechen und direkte Unterstützung zu leisten“, erklärt Jessica Wegener.

Auf der Website stellte das MCN hilfreiche Links zu Corona-Unterstützungsprogrammen auf Landes- und Bundesebene zur Verfügung. „Die Auflistung enthielt zudem Angebote von MCN-Mitgliedern zur Krisenbewältigung in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie.“ Auf diese Weise sollte eine schnelle Hilfe für maritime Unternehmen erfolgen und transparent dargestellt werden, über welche Expertise zur Krisenbewältigung die Mitglieder verfügen.

Zur Verbreitung von Best Practices im Umgang mit der Corona-Situation berichteten MCN-Mitglieder in Videos von ihren jeweiligen Ansätzen. „Ziel dieser Maßnahme war das Teilen und Lernen von positiven Erfahrungsberichten für ein erfolgreiches Krisenmanagement“, unterstreicht Wegener.

Die Veranstaltungen des Clusters führte das MCN ab März 2020 bis auf Weiteres online durch. Zusätzlich zu dem bestehenden Angebot an MCN-Webinaren entwickelte das Cluster eine Webinar-Reihe, die dem virtuellen Erfahrungsaustausch der Mitglieder und der gemeinsamen Entwicklung von Lösungsansätzen zu bestimmten nachgefragten Schwerpunktthemen diente. „Nun freuen wir uns darauf, wo möglich auch den persönlichen Austausch wieder anzukurbeln und die Branche zusammenbringen“, betont Wegener.

Coronavirus: Informationen und Unterstützung

Hier finden Sie weitere Informationen zu den Corona-Hilfsmaßnahmen der norddeutschen Küstenländer.