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26. August 2026

Fünf Fragen an … Felix Weiss

Von energieeffizienter Schiffsautomation über Künstliche Intelligenz bis hin zu neuen Anforderungen für Marine und Megayachten – die Rostocker Noris Automation GmbH ist auf zahlreichen Zukunftsfeldern aktiv. Geschäftsführer Felix Weiss verrät, wie sein Unternehmen Chancen ergreift und wie die KI hilft, Beschäftigung zu sichern.

Die Schifffahrt steht permanent unter Druck, noch energieeffizienter und umweltfreundlicher zu werden. Welchen Beitrag leisten Sie mit Ihren Produkten heute schon und welche zusätzlichen Potenziale sehen Sie für die Zukunft?

Wir haben diese Themen schon vor vielen Jahren aufgegriffen. So konnten wir bereits verschiedene Lösungen auf den Markt bringen, wie zum Beispiel selbst optimierende Propellerkurven, Speed Pilot oder zuletzt unser Energiemanagementsystem (EMS). Das sind alles intelligente Steuerungen, die selbständig einen effizienteren Betriebsmodus erkennen und die unterschiedlichen Systeme an Bord dementsprechend komplett automatisch ansteuern.

Nehmen wir als Beispiel das Energiemanagement eines Hybrid-Schiffes mit seinen verschiedenen Antrieben. Mit unserem EMS kann der Kapitän dieses hochkomplexe System ganz einfach steuern: Er wählt lediglich die Mission aus – also beispielsweise eine Offshore-Passage oder einen Hafenanlauf – und das System entscheidet eigenständig, ob und wie schnell Batterien geladen werden, wählt automatisch elektrischen oder Dieselmotor und schaltet Generatoren hinzu oder ab. Damit ist die sichere und effiziente Schiffsführung in dieser wirklich hochkomplexen Umgebung gewährleistet, ohne dass die gesamte Besatzung dafür speziell geschult werden muss.

Und unsere Reise geht noch weiter: In Partnerschaften mit Industrieunternehmen, Instituten sowie Forschungs- und Bildungseinrichtungen arbeiten wir an Zukunftsfeldern wie Methanol-Reformer, Ammoniak-Kraftstoffaufbereitung oder KI-unterstützte Energieeffizienzsysteme.

Die Künstliche Intelligenz wirkt in vielen Wirtschaftszweigen disruptiv. Welche Rolle spielt die KI für Noris Automation, und zwar sowohl für die Art und Weise wie Sie selbst entwickeln, als auch für die Produkte und Prozesse, die dann später im Schiffsbetrieb zum Einsatz kommen?

Wir sehen die KI grundsätzlich sehr positiv. Eine unserer größten Herausforderungen der letzten Jahre ist der Mangel an Fachkräften. Das liegt allerdings nicht daran, dass die Fachkräfte weniger werden – im Gegenteil, wir haben massiv eingestellt – sondern daran, dass die Aufgaben exponentiell komplexer werden. Wenn es uns mit KI gelingt, mit der bestehenden Belegschaft Quantität und Qualität zu erhöhen, macht uns das noch wettbewerbsfähiger. Ihr Einsatz macht den Menschen nicht überflüssig, im Gegenteil.

Wir haben dafür im Unternehmen Arbeitskreise gebildet, die sich auf die Nutzung von KI in allen erdenkbaren Bereichen des Arbeitsalltages, auch in der Forschung und Entwicklung, fokussieren. Hier können wir in einem kontrollierbaren Rahmen den sicheren Umgang mit der noch recht neuen Technologie lernen und ausbauen. Bei den Produkten sind wir etwas zurückhaltender. Da unsere Systeme essenziell für den sicheren Betrieb von Schiffen sind, sehen wir hier noch einige Hürden. Aktuell tun wir uns noch ein bisschen schwer, den Mehrwert der KI in diesem Umfeld heute schon zu sehen – aber wir beobachten die Entwicklung aktiv.

Zu Ihren Kunden gehört auch die Deutsche Marine, die sich angesichts aktueller Konflikte mit teilweise neuartigen Seekriegsszenarien konfrontiert sieht. Wirkt sich der Nachhol- und Innovationsbedarf der Marine auch auf Ihr Geschäft aus?

Die Beschaffungsprozesse in Deutschland sind für uns bislang eine Hürde, die uns daran hindert, nachhaltiges Geschäft aus den neuen Projekten der Marine zu generieren. Daher sind wir aktuell nur als Tier-1-Lieferant an Projekten beteiligt, also beispielsweise als Zulieferer für große Motorenhersteller. Auf globaler Ebene sieht das allerdings anders aus. Viele Nationen stehen vor den gleichen Herausforderungen, aber dort sind die Hürden geringer. Daher verzeichnen wir im Defence-Bereich ein gutes Auftragswachstum und bauen unser Netzwerk mit den Verteidigungsministerien verschiedener Länder weiter aus.

Ein spektakuläres Marktsegment, das Sie ebenfalls bedienen, sind luxuriöse Superyachten. Wie tragen Sie mit Ihrer Technik dazu bei, dass diese Schiffe noch komfortabler, sicherer und effizienter über die Weltmeere fahren?

Im Segment der Megayachten sind wir vor allem auf unser Integriertes Brückensystem (IBS) stolz. Diese Kunden gehen keine Kompromisse ein, sie erwarten Perfektion. Und wir profitieren hier von unseren kundenindividuellen Sonderlösungen. Unsere Systeme basieren auf einer modularen Plattform, die sich je nach Anforderung anpassen und erweitern lässt. Und Anforderungen, die nicht durch unsere bestehende Plattform abgedeckt werden, können wir problemlos ergänzen, da wir die gesamte Wertschöpfungskette und auch die Entwicklung im Haus haben.

Spannende Projekte waren zuletzt beispielsweise voll integrierte Fahrstände von mehreren Metern Länge. Die haben dank unseres Designs nicht nur einen beeindruckend cleanen Look. Sie erlauben auch eine intuitive Bedienung: Mit nur einem Klick können Getriebe, Antriebe, Generatoren, Abgassystem und Weiteres in den gewünschten Modus gebracht werden. Das kommt bei diesen anspruchsvollen Kunden sehr gut an. Aktuelle Weiterentwicklungen wie unsere automatische Geschwindigkeitssteuerung Cruise Control, aber auch Forschungsthemen wie autonome Positionierungssysteme bieten noch viel Potential, um uns weiter von den Mitbewerbern abzuheben und den Betreibern noch mehr Komfort und Effizienz zu bieten.

Noris Automation hat 2023 den MCN Cup gewonnen. Welchen Wert haben dieser Preis und Ihre Mitgliedschaft im Maritimen Cluster Norddeutschland für Ihr Unternehmen?

Netzwerk und Interessenvertretung sind wichtig, und da sehen wir uns bei dem MCN gut aufgehoben. Der erste Preis beim MCN Cup für das gemeinschaftliche Forschungsprojekt mit der Hochschule Stralsund hat uns natürlich besonders gefreut. So eine Auszeichnung trägt dazu bei, dass sich die Türen bei Politik und Industrie ein kleines Stück weiter öffnen. 
 

Über Felix Weiss

Felix Weiss ist seit 2021 Geschäftsführer der in Rostock ansässigen Noris Automation GmbH. Zuvor bekleidete er seit 2008 verschiedene Positionen in der Muttergesellschaft, der Nürnberger Noris Group GmbH. Weiss hat an der TH Nürnberg, dem Georg-Simon-Ohm Institut in Nürnberg und der Hong Kong Polytechnik University studiert und Abschlüsse als Diplom-Ingenieur und Master of Business Administration (MBA) erworben.