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22. Juni 2026

Fünf Fragen an … Alexander Lehmann

Alexander Lehmann ist Mitgründer und geschäftsführender Gesellschafter von Lehmann Marine, einem Spezialisten für maritime Batteriesysteme mit Sitz in Seevetal-Hittfeld. Im Interview erläutert er, warum batterieelektrische Systeme an Bord herkömmliche Antriebe eher ergänzen als ersetzen, und verrät, wie ein niedersächsisches Familienunternehmen gegen die Konkurrenz aus China besteht.

Die Dekarbonisierung ist das Megathema der Schifffahrt. Welche Rolle spielen Elektrifizierung und Batteriesysteme dabei?

Schon eine bedeutende. Man darf sich unter Elektrifizierung allerdings nicht unbedingt ein vollständig batterie-elektrisch betriebenes Schiff vorstellen. Das ist aktuell eher die Ausnahme. Was wir dagegen verstärkt sehen, sind hybride Schiffe, die zusätzlich zur Batterie noch eine andere Energiequelle besitzen. Das kann ein Dieselmotor sein oder auch eine Brennstoffzelle oder LNG. Ein gutes Beispiel dafür sind norwegische Fischfarm-Supply-Vessels. Die fahren im Fjord rein elektrisch. Außerhalb des Fjords setzen sie ihren Dieselmotor ein. Der läuft dann in einem sehr effizienten Bereich und lädt zudem auch die Batterie wieder auf. Auf diese Weise werden CO2- und andere Emissionen reduziert. So betrieben, fährt ein Schiff aber vor allem äußerst effizient, und der Eigner kann seine Betriebskosten deutlich senken. Das zählt. Sinnvoll ist die Batterie beispielsweise auch für die Hotellastversorgung eines Kreuzfahrtschiffes oder einer Superyacht im Hafen, wo oft strenge Emissionsregeln gelten. Dennoch: In den meisten Anwendungen wird die Batterie aus unserer Sicht für die absehbare Zukunft ein „Add-on“ bleiben, allerdings ein äußerst nützliches.

Im Hinblick auf Batteriesysteme wird viel von angeblich schon bald anstehenden technischen Durchbrüchen geredet. Was ist realistischerweise zu erwarten?

Man muss sich angucken, was technisch umzusetzen und was zudem auch kommerziell sinnvoll ist. Solid-State-Batterien, also Feststoffbatterien, die ohne flüssiges Elektrolyt auskommen, bieten theoretisch viele Vorteile. Aber sie sind noch nicht marktfähig. Natrium ist ein anderes spannendes Thema. Es könnte Lithium ersetzen und uns unabhängiger von China machen. Aber zumindest momentan ist Lithium sehr viel günstiger, sodass ein Einsatz von Natrium wirtschaftlich nicht sinnvoll ist. Wir, als Unternehmen, sind technologieoffen. Ich sehe jedoch nicht, dass es in den nächsten drei bis fünf Jahren große Durchbrüche geben wird, dafür aber kontinuierliche Verbesserungen: Unsere Batterien werden von Jahr zu Jahr kleiner und besser. Die Effizienzsteigerung liegt bei jährlich vielleicht zehn Prozent, was ja auch sehr ordentlich ist.

Lehmann Marine ist ein recht junges Unternehmen. Wie kam es zur Gründung?

Wir sind 2022 entstanden, als Ausgründung von Becker Marine Systems, einem weltweit anerkannten Spezialisten für Effizienzsteigerungen, vor allem im Unterwasserbereich. Schon im Jahre 2016 hatte mein Vater, Dirk Lehmann, die Abteilung Cobra gegründet. COBRA stand für „Compact Battery Rack“. Die Idee war, sehr kompakte Batteriesysteme zu entwickeln, die sich gut an Bord integrieren lassen. 2021 haben wir das erste DNV-Prüfsiegel bekommen – ein Meilenstein. Im Folgejahr haben mein Vater und ich uns mit COBRA im Einvernehmen von Becker Marine Systems getrennt, um uns weiter zu spezialisieren. Ich habe Ende 2022 die Geschäftsführung übernommen. Seitdem ist ebenfalls meine Schwester, Katharina Lehmann, bei Lehmann Marine beschäftigt – wir sind also ein echtes Familienunternehmen.

Wie schaffen Sie es als deutscher Mittelständler, der mit rund 60 Mitarbeitenden im Land entwickelt und produziert, sich gegen die internationale Konkurrenz, insbesondere die Chinesen, auf einem heiß umkämpften Markt durchzusetzen?

Der maritime Batteriemarkt verdoppelt sich jedes zweite Jahr. An diesem Wachstum wollten wir natürlich teilhaben. Mein Vater ist von Haus aus Ingenieur. Mit unserem Unternehmen standen wir nun vor der Aufgabe, ein produzierendes Gewerbe aufzubauen. Wir brauchten Know-how und Kapital. In der Sunlight-Gruppe fanden wir vor knapp einem Jahr den idealen Partner für diese Expansion. Sunlight ist europäischer Markführer für Industriebatterien, wie sie beispielsweise in Gabelstaplern eingesetzt werden. Wir bringen das maritime Know-how ein. Das passt perfekt, und wir konnten unsere Produktionskapazitäten bereits erheblich ausbauen. Zum anderen trägt auch unser guter Ruf maßgeblich zum Geschäftserfolg bei. Mein Vater, Dirk Lehmann, ist seit Jahrzehnten in der maritimen Branche sehr anerkannt. Das öffnet viele Türen. Unsere Kunden wissen, dass wir Schiffe verstehen. Das unterscheidet uns von vielen Mitbewerbern. Und sie haben auch das Vertrauen, dass wir immer erreichbar sind und vor allem mit unserer gewachsenen Expertise nicht gleich wieder vom Markt verschwinden. Auch das unterscheidet uns.

Was motiviert Sie dazu, im Maritimen Cluster Norddeutschland mitzuwirken?

Das Maritime Cluster ist als Netzwerk gerade für junge Unternehmen wie uns sehr wertvoll. Wir gehen gern auf die MCN-Veranstaltungen, weil wir da mit vielen anderen Unternehmen in Kontakt kommen und uns austauschen können. Daneben sehen wir das Maritime Cluster durchaus auch als ein Sprachrohr der Branche, das unsere Anliegen in die Politik hineinträgt.

Über Alexander Lehmann

Alexander Lehmann (27) ist Mitgründer, Gesellschafter und Managing Director der Lehmann Marine GmbH mit Sitz im niedersächsischen Seevetal-Hittfeld. Daneben ist er geschäftsführender Gesellschafter der Höpen GmbH, einer Familienholding, mit Sitz in Winsen an der Luhe, die in nachhaltigkeitsorientierte Unternehmen investiert. Davor war Alexander Lehmann in unterschiedlichen Unternehmen leitend tätig, die sich vor allem mit Energieeffizienz und elektrischen Mobilitätslösungen beschäftigten.