AI Ahoi! Chancen durch Künstliche Intelligenz im Fokus
Eine Veranstaltung des Maritimen Clusters Norddeutschlands in Lübeck gibt Impulse für die Praxis
Die KI ist in der maritimen Wirtschaft angekommen – „und das größte Risiko besteht darin, dass wir ihr Potenzial nicht nutzen!“ Mit diesem Appell traf MCN-Vorständin Kerstin Broocks den Nerv der rund 100 Teilnehmenden aus Wirtschaft und Wissenschaft, die sich am Montag (20. April) in Lübeck zur MCN-Veranstaltung „AI Ahoi! Künstliche Intelligenz in der maritimen Wirtschaft – Anwendungen, Potenziale, Perspektiven“ trafen, um mehr über das Vordringen der KI in die maritime Welt zu erfahren, sich auszutauschen und wertvolle Impulse für die eigenen Unternehmen und Institutionen mitzunehmen.
Prof. Dr.-Ing. Uwe Freiherr von Lukas vom Fraunhofer IGD bekräftigte Kerstin Broocks Einschätzung in seiner Keynote: „Kaum ein Unternehmen, kaum eine Branche kann nicht von der KI profitieren“, betonte er. Neben der Technik seien dafür aber auch die passenden Geschäftsmodelle Voraussetzung. Jedes Unternehmen, so der dringende Rat, solle mit Hinblick auf KI „regelmäßig einen Check machen, wo es neue Chancen ergreifen kann“. Von Lukas illustrierte seinen positiven Ausblick mit Praxisbeispielen aus der angewandten KI-Forschung: KI erkennt den Stresslevel und die Biomasse von Fischen in Aquakulturen oder auch die spezifische Gefährdung, die von nicht geräumten Kampfmitteln am Meeresgrund ausgeht.
Aus der Perspektive eines der führenden Schiffsmanagementunternehmens der Welt blickte anschließend Helge Bartels, COO der Bernhard Schulte GmbH & Co. KG, auf die AI. Sein Unternehmen setze durchaus auch auf KI, diese sei aber „ein Tool zum Erreichen strategischer Ziele, kein Selbstzweck“. In seiner Keynote skizzierte Bartels die äußerst komplexen Herausforderungen, unter denen KI im maritimen Umfeld stattfindet – von der Vielfalt technischer Systemen, dem Fehlen von Schnittstellen und mangelhaften Internetverbindungen über die vielschichtige internationale Regulierung bis hin zur Akzeptanz von KI unter den Mitarbeitern. Um die KI nutzbar zu machen, bedürfe es Anstrengungen der gesamten Branche. „Es geht nicht ohne Zusammenarbeit“, unterstrich Bartels.
Nach dem Mittagessen mit Blick auf den Lübecker Hafen erhielten die Teilnehmenden die Möglichkeit, konkrete Anwendungsfelder von KI in vier Workshops zu diskutieren. Thomas Fischer und Svenja Breckwoldt von Arnecke Sibeth Dabelstein beleuchteten rechtliche Fragestellungen im Umgang mit KI. Dabei standen Themen wie Haftung, Datenschutz und regulatorische Anforderungen im Mittelpunkt. Die Ausbildung des maritimen Fachpersonals für und durch die KI war Gegenstand der zweiten Gruppe. Der Fokus des dritten Workshops lag auf KI in der maritimen Sicherheit und in den Informations- und Kommunikationstechnologien.
Ein weiteres Highlight der Veranstaltung bildete der vierte Workshop mit kurzen Pitches, in denen innovative Unternehmen ihre mithilfe von KI entwickelten Lösungen für aktuelle Herausforderungen präsentierten: Vom effizienten Betrieb von Pumpen durch die Dämpfung von Druckschwingungen (Hydronauten GmbH) über den Einsatz von spezialisierten KI-Agenten (Hainzelmann GmbH), die KI-gestützte Entwicklung von nachhaltigem Biotreibstoff (FF Frontier Fuels GmbH) bis zur KI-Drohne für schnelle Mann-über-Bord-Detektion (Hoppe Marine GmbH) reichte die Palette. Mit dem Transferzentrum für Künstliche Intelligenz Bremen.AI und der AI for Hamburg GmbH stellten sich zudem zwei Institutionen vor, die vor allem kleine und mittlere Unternehmen bei der Einführung von KI unterstützen.
„Mit AI Ahoi! wollten wir zentrale Akteurinnen und Akteure aus Wirtschaft und Forschung vernetzen, den Austausch praktischer Erfahrungen fördern und Impulse für gemeinsame Lösungsansätze geben, um die Potenziale von KI verantwortungsvoll und zukunftsorientiert zu erschließen. Wir haben heute gesehen, dass die Branche bereit ist“, resümierte Dr. Susanne Neumann, Leiterin der Geschäftsstelle Niedersachsen des Maritimen Clusters Norddeutschlands, die gemeinsam mit dem gesamten MCN-Team die Veranstaltung organisierte. Dass gleich vier MCN-Fachgruppen (Maritime Informations- und Kommunikationstechnologien, Maritime Sicherheit, Maritimes Recht, Personal und Qualifizierung) daran mitgewirkt hatten, unterstreicht die breite, interdisziplinäre Präsenz des Themas KI in der Branche.
Über das Maritime Cluster Norddeutschland
Das Maritime Cluster Norddeutschland (MCN) ist das Netzwerk der maritimen Branche in Norddeutschland. Mit über 350 Mitgliedern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik fördert das MCN den Austausch, die Zusammenarbeit und Innovation innerhalb der Branche sowie an Schnittstellen zu anderen Industrien. Durch Geschäftsstellen in Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein ist das MCN regional präsent und bietet Akteur:innen vor Ort gezielte Unterstützung – von der Suche nach Innovationspartner:innen über Informationen zu Förderprogrammen bis hin zur Vermittlung wertvoller Kontakte. Das MCN koordiniert Fachgruppen zu den Themen Maritime Informations- und Kommunikationstechnologien, Maritime Sicherheit, Maritimes Recht, Maritime Wirtschaft Offshore Wind, Personal und Qualifizierung, Schiffseffizienz sowie Unterwasserkommunikation.
Gegründet im Jahr 2011 als länderübergreifendes Cluster der Länder Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein, kamen 2014 Bremen und Mecklenburg-Vorpommern hinzu. Seit 2017 agiert das MCN als eingetragener Verein.



