15. Juni 2020

Seetankstellen für klimaneutralen Schiffsantrieb aus Wasser und Luft

Die internationale Schifffahrt ist für über 2% der globalen CO2 Emissionen verantwortlich1. Erste Containerschiffe stellen bereits auf Flüssigerdgas (LNG) um2. Das reduziert zwar die Umweltbelastungen durch Schwefel und Feinstaub erheblich, verringert aber laut einer Studie des International Council on Clean Transportation die Treibhausgasemissionen nur um 12 bis 27% 3. Eine Lösung wäre ein klimaneutrales Gas als Antrieb. 

Die Idee ist der Aufbau von BLANCAIR Hubs. BLANCAIR ist eine Technologie, die die konventionelle Erzeugung von grünem Strom aus Windenergie mit einer gleichzeitigen Rückgewinnung von CO2 aus der Atmosphäre kombiniert. Dabei werden ungenutzte Synergien zwischen einer Windenergieanlage und einem Direct Air Capturing-System genutzt. Durch die Öffnung der Rotorblattspitzen kann bei Rotation der Blätter Luft durch die Windenergieanlage geleitet werden. Dieser passive Luftstrom wird genutzt, um CO2-Filtermodule auf der Gondel der Windenergieanlage zu betreiben. Aus den so gewonnenen Produkten elektrische Energie und CO2 können über ein Elektrolyse- und Methanisierungsverfahren klimaneutrale synthetische Kraftstoffe hergestellt werden. Diese können sowohl im Straßen- als auch Luft- und Schiffsverkehr Anwendung finden.

Besonders für die Schifffahrt eröffnen sich so neue Perspektiven. Wo Wind weht kann auch klimaneutraler Kraftstoff erzeugt werden. Dafür werden nur Wasser und Luft benötigt. Mit einem BLANCAIR Hub (12 GW Leistung) können 2,6% des zum Betrieb aller Containerschiffe weltweit benötigten Flüssiggases (LNG) bereitgestellt werden4. Mit 39 dieser Hubs wäre eine Versorgung des gesamten LNG-Bedarfs der weltweiten Containerschifffahrt möglich. Bereits in einem laufenden Projekt „North Sea Wind Power Hub“ eines internationalen Konsortiums aus TenneT, Energinet, Gasunie und Port of Rotterdam wurden Ideen für die Bereitstellung großer Kapazitäten Erneuerbarer Energien aus Windstrom auf der Nordsee entwickelt. Das Konsortium plant die Umsetzung von riesigen Windparks in der Nordsee inklusive großer Windenergie-Verteilkreuzen, die als zentrale Plattformen für die Transportinfrastruktur der Energie dienen sollen. Eine im Voraus durchgeführte Studie ergab, dass die Nordsee ein großes Potential für Offshore Windenergieanlagen birgt und die Installation von 180 GW bis zum Jahr 2045 möglich ist5. Inspiriert durch diese Idee wurde das Konzept für einen BLANCAIR Hub entwickelt. Eine erste Pilotanlage, die einen proof of concept erreichen soll, ist im Hamburger Hafen geplant. Dort wird die BLANCAIR Windenergieanlage zusammen mit einem Elektrolyseur und einer Methanisierung den ersten BLANCAIR Hub im kleinen Maßstab bilden.

 

1www.imo.org/en/OurWork/Environment/PollutionPrevention/AirPollution/Pages/Greenhouse-Gas-Studies2014.aspx 

www.hapag-lloyd.com/de/news-insights/insights/2019/08/A_first_in_liner.html 

theicct.org/publications/assessment-fuel-cycle-impact-lng-international-shipping 

4 Oxford Institute for Energy Studies (ISBN 978-1-78467-114-3) 

5  www.tennet.eu/de/unsere-kernaufgaben/innovationen/windenergie-verteilkreuz-in-der-nordsee/ 

6  www.gruene-hamburg.de/wp-content/uploads/2020/06/Koalitionsvertrag-SPD-Gr%C3%BCne-2020.pdf

 

Textquelle: MCN-Partner Spitzner Engineers GmbH