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04. Juli 2019

Schifffahrt in der Polarregion: Sicherer Fahrweg

Die Schifffahrt in der Polarregion nimmt zu und mit ihr der Bedarf an Unterstützungsleistungen. Die Fachgruppe Maritime Sicherheit des Maritimen Clusters Norddeutschland (MCN) hat dies zum Anlass genommen, sich dem Themenfeld „Schifffahrt in der Polarregion“ in diesem Jahr intensiv zu widmen. Bei der Auftaktveranstaltung am 4. Juni 2019 beim Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie in Hamburg wurden unter dem Titel „Sicherer Fahrweg“ die nautischen Herausforderungen und Erfahrungen mit Eisfahrten bei widrigsten Wetterbedingungen und kaum vorhandener Kommunikationsinfrastruktur thematisiert sowie Anforderungen an die Schifffahrt beleuchtet, die sich aus dem Polar Code ergeben. Ergänzt wurde das Programm durch einen Überblick an unterstützenden Produkten und Dienstleistungen für die Navigation im Eis. Dass dieses Thema die Branche beschäftigt und relevant ist, zeigte die hohe Anmeldezahl von rund 60 Personen.

Das Erkennen von Eis in unterschiedlicher Dichte sowie das Finden von Fahrrinnen anderer Schiffe, die zuvor durchs Eis manövriert sind, waren nur einige der Themen. Von einem erfahrenden Kapitän und einer erfahrenen Nautikerin erfuhren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, was es heißt, in Gebieten zu navigieren, die nur unzureichend vermessen sind oder deren GPS-Positionen nicht zu gebrauchen sind. Interessiert folgten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer den anschließenden Vorträgen zu Eisdriftvorhersagen, zur Darstellung von in-situ Daten, zur Erdbeobachtung zur Klassifikation von Eis und zur Darstellung der Ergebnisse des Eisradars auf der Brücke. Darüber hinaus wurden die Beschränkungen der Kommunikation im Eis veranschaulicht und in anschließenden Diskussionen vertieft. Immer wieder kamen die Polarstern 1 und 2 als „das Schiff im Eis“ in den Vorträgen vor.

In die Expeditionsschifffahrt führten zwei Experten ein, die beide selbst auf der Brücke zur See gefahren sind. Nicole Schnell berichtete von Situationen, in denen kein GPS mehr funktionierte und die gesamte Steuerung hochmoderner Expeditionsschiffe auf manuelle Steuerung umgeschaltet werden musste.

Mit Fotos und Filmen bekamen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein Gefühl für die einzigartige Schönheit der Region, aber auch für die Gefahren und für die besondere Verantwortung, welche die Nautiker auf der Brücke tragen. Kapitän Uwe Pahl konnte mit seinen langjährigen Erfahrungen – unter anderem auf der Polarstern 1 – anknüpfen. In seinem Bericht schilderte Pahl, wie man als Kapitän auf der Brücke agiert und welche Hilfsmittel zur Verfügung stehen. Er beleuchtete wichtige Aspekte rund um den Polar Code, an dessen Erarbeitung Pahl selbst aktiv mitgewirkt hat. Der Umweltschutz ist in den Polarregionen ein besonders sensibler und nicht zu vernachlässigender Aspekt, dies zeigten auch die geführten Diskussionen. Mit dem Polar Code werden im Schiffbau nun auch für diesen Bereich die Auflagen weiter erhöht.

Dr. Lasse Rabenstein von Drift + Noise Polar Services präsentierte bestehende Dienstleistungen zur Unterstützung der Eis-Navigation, wie satellitenbasierte Eisdriftvorhersagen. Sören Schwartze von Werum Software & Systems zeigte, wie Eiskarten in Schiffs- und Landsysteme integriert werden. Er gab einen Ausblick auf zukünftige Arbeiten, die automatisierte und Nah-Echtzeit-Erkennung von Hindernissen (Untiefen) in den Polarregionen denkbar und wertvoll machen.

Andreas Nil von MediaMobil Communication thematisierte die Einschränkungen der Satellitenkommunikation in Seegebieten oberhalb 70 Grad Breite mit den bestehenden Systemen und gab einen Ausblick auf zukünftige Systeme, die die Breitbandkommunikation maßgeblich verbessern sollten. Gemeint sind hier insbesondere sogenannte Low Earth Orbit Satelliten, zum Beispiel OneWeb, Telesat oder Starlink.

Rüdiger Engel und Birgitta Feldbinder von FURUNO Deutschland visualisierten die Radarnavigation im Eis anhand von Bildern, wie sie die Nautiker auf der Brücke auch sehen würden, und veranschaulichten, dass Fahrrinnen mit Hilfe eines Radars identifizierbar werden.

Knut Hartmann von EOMAP und Friedhelm Moggert-Kägeler von SevenCs komplettierten die Vortragsreihe mit der Präsentation des aktuellen Forschungsprojektes MarSat (MARSAT –Satellite Services for the Maritime Industry, Seegrundvermessung aus der Ferne).

Am Ende der Veranstaltung waren alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer gefragt, Ideen und Anregungen zu geben. Hierfür wurde ein Online-Fragebogen freigeschaltet, in dem sie Feedback zur Veranstaltung geben und Themenvorschläge für einen zukünftigen Workshop unterbreiten konnten.

Bei der nächsten Veranstaltung der MCN-Fachgruppe Maritime Sicherheit mit dem Thema „Sicherheit an Bord“ am 12. September 2019 in der Hamburger Schiffbau-Versuchsanstalt wird es eine weitere Runde dieses Fragebogens geben, sodass nach Auswertung beider Befragungen der geplante vertiefende Workshop am Jahresende vorbereitet werden kann.