24. November 2021

Nachhaltige Ideen ausgezeichnet: Das Maritime Cluster Norddeutschland vergibt den MCN Cup 2021

Die Auszeichnungen

In derKategorie A. Wie lassen sich Bestandsschiffe nachhaltiger betreiben?“ machte „Dynamic Biofilm Protection – Ultraschall Antifouling für alle flüssigkeitsführenden Oberflächen“ von der HASYTEC Electronics GmbH das Rennen. HASYTEC Dynamic Biofilm Protection (DBP) ist eine Ultraschalltechnologie, die die Anhaftung von Einzellern auf flüssigkeitsführenden Oberflächen verhindert und somit dafür sorgt, dass die initiale Grundlage allen marinen Bewuchses, der Biofilm, gar nicht entstehen kann. DBP erzeugt keine Kavitation und kann somit dauerhaft präventiv verwendet werden um Seewasserkühlsysteme, Frischwassererzeuger, Querstrahlruder, Propeller und Rümpfe vor Bewuchs zu schützen. Die bisher in der Schifffahrt genutzten biozidhaltigen Anstriche oder andere schwermetallhaltige Systeme werden somit überflüssig und sind nicht mehr erforderlich. Das CO2-Einsparungspotenzial sowie das Einsparungspotenzial an Kupferanoden für Seewasserkühlsysteme sind sehr hoch. DBP ist innerhalb der letzten fünf Jahre auf über 350 Schiffen installiert worden und hat hier bereits die erneute Verwendung von Kupferanoden in Kühlsystemen verhindert sowie den Treibstoffverbrauch durch dauerhaft bewuchsfreie Propeller reduziert.

Jan Kelling, Co-Founder und Director Sales & Projects, HASYTEC Electronics GmbH: „ Wir freuen uns sehr, den ersten MCN Cup gewonnen zu haben! Dass die Jury unsere Technologie in diesem Umfeld der Einreichungen ausgewählt hat zeigt uns einmal mehr, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Die Reichweite dieser Auszeichnung, insbesondere in der Kombination MCN und HANSA wird dafür sorgen, dass die Verhinderung von Biofouling auch ohne giftige Schwermetalle und Biozide weiter Bekanntheit erlangt. Für unsere Ozeane ist das großartig! Herzlichen Dank an die Jury, das MCN und vor allem an unser gesamtes Team!”

 

Die weiteren Nominierten der Kategorie A, in der insgesamt zehn Bewerbungen vorlagen, waren „Vessel-Check – Das cloudbasierte Biofouling Entscheidungsunterstützungssystem für Reedereien und Behörden“ der DHI WASY GmbH sowie „workboat.ai incentiviert Schiffsführer zum ökologischen Fahren“, eingereicht von der Navisense GmbH und marine.media GmbH.

In der „Kategorie B. Wie lassen sich Häfen und die maritime Logistik nachhaltiger gestalten?“ gab es aufgrund eines Punktegleichstands bei der Bewertung durch die Jury gleich zwei Preise zu vergeben.

Beim “Projekt SHARC – Smart Harbor Application Renewable Integration Concept”, eingereicht von bremenports GmbH & Co. KG für das Sondervermögen Hafen geht es um die Erarbeitung einer Lösung für die quartiersweite Integration erneuerbarer Energiequellen und -träger im Überseehafen Bremerhaven. Dafür haben sich das Sondervermögen Hafen zusammen mit Siemens und den Forschungseinrichtungen Institut für Energie und Kreislaufwirtschaft an der Hochschule Bremen (IEKrW), Deutsches Forschungsinstitut Künstliche Intelligenz (DFKI) und die Technische Universität Berlin (TU-Berlin) für das Forschungsvorhaben in einem Konsortium zusammengeschlossen, um das Gesamtziel eines CO2-neutralen Hafens mittels des vom BMWi angebotenen Förderrahmens vorzubereiten. Die Integration erneuerbarer Energiequellen und -träger soll durch quartiersweite, überbetriebliche Kooperationsansätze sowie durch Nutzung von Synergien mittels Sektorkopplung (Verknüpfung der bisher primär isoliert betrachteten Sektoren: Elektrizität, Wärmeversorgung, Mobilität, Kälte, etc.) erreicht werden. In einen ganzheitlichen Ansatz werden neben betrieblichen Prozessen auch Aspekte des Energiemarktes und der Energietechnik berücksichtigt. 

Uwe von Bargen, Direktor für Umwelt- und Nachhaltigkeitsangelegenheiten, bremenports GmbH & Co. KG: „Wir freuen uns sehr über diese Auszeichnung, denn sie lenkt die öffentliche Aufmerksamkeit auf die umfangreichen Aktivitäten im Rahmen unserer greenports-Nachhaltigkeitsstrategie, mit der wir seit 2009 auf eine ganzheitliche Betrachtung und Entwicklung der bremischen Häfen hinwirken. Daneben zeigt das ausgezeichnete Projekt SHARC ganz allgemein, wie CO2-neutrale Hafenquartiere entwickelt werden können. Hierzu freuen wir uns auf die nächsten konkreten Umsetzungsschritte mit allen interessierten Partnern in Bremerhaven.“

Auch das Projekt „dashPORT – Digitale Leitwarte zur Analyse und Steuerung von Energieflüssen in Häfen”, eingereicht vom OFFIS e.V. – Institut für Informatik und Fraunhofer CML konnte durch seinen nachhaltigen Ansatz überzeugen. Das auf drei Jahre angelegte und im Rahmen von IHATEC vom BMVI geförderte Projekt hat zum Ziel, Hafen- und Terminalbetreibern Kosteneinsparungen durch ein ganzheitliches Energiemanagement des Hafens und aller darin tätigen Parteien zu ermöglichen. Durch die Entwicklung eines Prototyps im Hafen von Brake, zielt dashPORT darauf ab, Effizienzgewinne durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz und IoT-Anwendungen zu realisieren, um den Energiebedarf von Häfen optimal abzustimmen – und damit deren ökologische und ökonomische Bilanz zu verbessern. Zu diesem Zweck wurden, basierend auf Prozess- und Infrastrukturanalysen, Smart Meter im Hafen Brake installiert. Die gewonnenen Daten werden in einer digitalen Energieleitwarte mit Sekundärdaten zusammengeführt. Dort erstellt ein Algorithmus tagesaktuelle Prognosen der Lastverläufe und löst Handlungsempfehlungen aus, die den Betreibern helfen, Stromspitzen zu vermeiden und Energie effizienter einzusetzen.

Dr. Ing. Jürgen Meister, Bereichsleiter FuE-Bereich Energie, OFFIS e.V.: „Projektpartner NPorts und J. Müller haben im Projekt durch die Ausrüstung des Hafens mit mehr als 500 Smart Metern ein tolles Testfeld zur Erforschung und Pilotierung von datenbasierten KI-Algorithmen geschaffen. Mit Hilfe dieser KI-Algorithmen sollen künftig neben CO2-Einsparungen auch Kosteneinsparungen durch vermiedene Stromspitzen realisiert werden.“

SHIFT – Das internationale Fünf-Punkte-Rating-System für CO2-neutrale Industriehäfen, eingereicht von der IAV GmbH und der disruptive – beyond your strategy
rebranding GmbH, das ebenfalls nominiert war, möchte mit diesem Programm dazu beitragen, dass der Hafen zum Nachhaltigkeits-Booster wird – integriert in ein Gesamtsystem aus Stadt, Schiffen, Fahrzeugen, aber vor allem auch Menschen. In der Kategorie B gab es insgesamt neun Bewerbungen.

Für die „Kategorie C. Wie lassen sich die weiteren maritimen Branchen nachhaltiger gestalten?“ konnte die Leviathan GmbH mit ihrem „Industriellen Recycling von Schiffen – Solving the dark side of shipping“ die siebenköpfige Jury überzeugen.

Das Unternehmen hat eine zeitgemäße Methode zum Recycling von Schiffen entwickelt und steht kurz vor der Umsetzung.
Dabei sollen durch weitgehende Mechanisierung und, soweit möglich Automatisierung, sowie durch ein geschlossenes Hallendock der Großteil aller mit dem Prozess des Recyclings/Verschrottung üblicherweise verbundenen Risiken für Mensch und Umwelt vermieden werden. Zusammengefasst: Sektionsbau, jedoch rückwärts. Das Ziel ist es, aufbereitete und brauchbare Rohstoffe in den Wirtschaftskreislauf zu bringen und nahezu 100 Prozent zu recyceln.
Durch den Einsatz eines kalten Wasserstrahlschneideverfahrens ist es möglich, dass kein Personal an Bord arbeiten und nicht vorher gereinigt werden muss sowie komplett auf heiße Arbeiten verzichtet werden kann.

Karsten Schumacher, Geschäftsführer Leviathan GmbH: „Wir freuen uns über die enorme Unterstützung des Maritimen Clusters Norddeutschland und diese Auszeichnung. Die Nominierung und den Gewinn des MCN Cups werden wir jetzt nutzen, um die nächsten Schritte zu gehen, Investoren zu finden und, um anschließend in die operative Umsetzung zu gehen.“

Aus insgesamt elf eingereichten Ideen waren ebenfalls nominiert:
„IAVEBF – FiberFur | Ihre Partner für nachhaltige Anti-IAVEBF“ eingereicht durch die IAV GmbH und EBV Innovation GmbH sowie „OceanPack™ for Ships of Opportunity“ von der SubCtech GmbH.

Jessica Wegener, Geschäftsführerin MCN e. V.: „Wir bedanken uns bei allen Bewerber*innen, die viel Zeit und Mühe investiert haben und freuen uns, mit dem MCN Cup innovative, nachhaltige Ideen und Projekte in der maritimen Branche anzuregen und sie und ihre Erfinder*innen sichtbarer zu machen. Ein großer Dank geht auch in Richtung unserer siebenköpfigen Jury, die mit ihrer Expertise zum Gelingen des neuen Formats beigetragen hat.“