06. Februar 2018

Fünf Fragen an ... Monique Giese

Monique Giese, KPMG

Bildrechte: KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

Spätestens seit Steuerhinterziehungsfällen wie den Panama- und den Paradise Papers hat Tax Compliance einen neuen Stellenwert und verstärkte Aufmerksamkeit erhalten. In unserer Interviewreihe „Fünf Fragen an“ sprachen wir mit Monique Giese von KPMG über die steuerrechtlichen Herausforderungen und erfolgreiche Geschäftsmodelle in der maritimen Branche.

MCN: Sie beraten viele namhafte Unternehmen aus der maritimen Branche zu steuerrechtlichen Themen. Was sind in dem Kontext die Herausforderungen in der maritimen Branche?

Giese: Die Internationalität der Branche nimmt weiter zu und entsprechend nehmen auch Regularien im Steuerbereich zu. Unsere Aufgabe als internationaler Steuerberater ist es, den Unternehmen ein Verständnis für ihre steuerlichen Verpflichtungen und Herausforderungen zu geben und sie im internationalen Geschäft zu begleiten.

Vor allem in der Schifffahrt hält sich weiter die Aussage, dass fast alles steuerfrei ist oder Risiken durch die Tonnagebesteuerung abgegolten sind. Dem ist leider nicht so. Das deutsche Tonnagesteuergesetz ist für die neuen internationalen Strukturen, die sich durch die Konsolidierung ergeben, nicht gemacht und bringt viele Graubereiche mit sich. Graubereiche bedeuten dabei meistens Risiken, zu denen sich die Unternehmen eine Meinung bilden sollten. Das proaktiv Agieren ist dabei stets besser als später im Rahmen von Betriebsprüfungen oder gar der Steuerfahndung reagieren zu müssen. Tax Compliance hat seit den bekannten Steuerhinterziehungsfällen, den Panama- sowie den Paradise Papers einen ganz neuen Stellenwert bekommen. Steuern stehen mehr denn je unter Beobachtung.

MCN: Ende November fand das Hansa Forum Schifffahrt und Finanzierung statt, dass Sie gemeinsam mit dem Hansa International Maritime Journal ausgerichtet haben. Diskutiert wurde unter anderem über zukunftsfähige Geschäftsmodelle. Welche Modelle sind das Ihrer Meinung nach für die maritime Branche?

Giese: Das Wort „Geschäftsmodell“ ist ein großes und starkes Wort. Das eine Geschäftsmodell, dass die Lösung für alle ist, wird es nicht geben. Vielmehr muss sich jedes Unternehmen den Herausforderungen der Zukunft stellen und je nach Unternehmensstrategie eine eigene Lösung erarbeiten. Ich persönlich glaube aber, dass Unternehmen bei der Findung ihrer Lösung von anderen Unternehmen – auch denen der gleichen Branche – lernen können. Dafür bedarf es aber Offenheit und Transparenz. Die Veränderung der Branche im Zuge der Digitalisierung und Automatisierung ist unaufhaltsam. Es werden sich neue Standards im Day-to-Day Business ergeben. Es wird Software-Lösungen geben, die das tägliche Geschäft unterstützen und sogar die Basis für Geschäftsstrategien sein können, wenn man es schafft aus seinen Geschäftsdaten Werte zu schaffen. Es wird vermutlich neue Plattformen geben, auf denen ganze Schiffe und auch Schiffsraum vermarket werden. Die Anfänge dafür sind längst gemacht. Aus der Krise werden Gewinner hervorgehen und das werden vermutlich die Unternehmen sein, die sich mit den Themen der Zukunft beschäftigt haben.

MCN: Welche Erfahrungen mit Kunden aus dem maritimen Bereich machen Sie in Ihrer Beratungstätigkeit?

Giese: Die Branche prägt den Norden Deutschlands und deshalb haben wir als KPMG auch einen Fokus auf sie gelegt. Die maritime Wirtschaft ist unglaublich vielfältig und international, dennoch ist es gefühlt ein kleiner Kreis an Protagonisten. Die Herausforderungen, die der Branche bevorstehen, bieten uns als Beratungsunternehmen sehr viele Möglichkeiten Unternehmen zu unterstützen. Eine wesentliche Voraussetzung, um mit Unternehmen der maritimen Branche, in welcher Hinsicht auch immer, zusammen zu arbeiten, ist jedoch stets Branchenexpertise. Wer die entsprechende Erfahrung nicht hat und die Geschäftsmodelle nicht kennt, hat es schwer. Zudem spielt auch das Menschliche und die Persönlichkeit des Beraters eine immer größere Rolle. Am Ende sind wir ein Beratungsunternehmen und damit ein Dienstleister. Um Projekte erfolgreich mit dem Unternehmen durchführen zu können, bedarf es nicht nur der entsprechenden Expertise, sondern auch Vertrauen. Vertrauen zu gewinnen ist in der maritimen Wirtschaft nicht immer einfach.

MCN: Gibt es ein Projekt, auf das Sie besonders stolz sind?

Giese: KPMG hat sehr viele Restrukturierungen, Unternehmenszusammenschlüsse und Unternehmenskäufe sowohl national als auch international beraten. Wenn ein erfolgreicher Abschluss eines solchen Projektes durch die Medien geht und man sich bewusst wird, dass man ein Teil dieses Projektes war, ist man sehr stolz. Zudem macht es mich persönlich stolz, wenn sich ein Unternehmen für uns als Berater entscheidet.

MCN: Welche Rolle spielt ein Dienstleister wie KPMG in der maritimen Wertschöpfungskette?

Giese: Es macht unser Haus aus, dass wir uns nicht nur auf unsere typischen Dienstleistungen wie die Steuerberatung und die Wirtschaftsprüfung beschränken. Wir begleiten Unternehmen in die Zukunft, sei es mit strategischen oder strukturellen Ausrichtungen oder mit allen Facetten der Digitalisierung. Wir haben die Erfahrung und das Know-how, um die maritime Branche bei ihren Herausforderungen zu unterstützen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Vorausgesetzt es gibt keine regulatorischen Beschränkungen, können wir Unternehmen aus einer Hand in allen Fragestellungen beraten. Unsere Aufgabe ist es Unternehmen auf ihrem Weg zu unterstützen und dabei mögliche Risiken zu minimieren. Vor dem Hintergrund der weltweit zunehmenden Regulierung des wirtschaftlichen Umfeldes haben wir damit aus meiner Sicht eine sehr wichtige Rolle.

 

Über Monique Giese

Monique Giese berät bei KPMG nationale und internationale Mandate in allen steuerrechtlichen Fragestellungen. Ihr Fokus liegt insbesondere auf Unternehmen der maritimen Wirtschaft sowie Unternehmen aus dem Sektor Transport und Tourismus. Ihre fachliche Expertise umfasst dabei die nationale und internationale steuerliche Strukturierung, laufende Steuerberatung, Tax Compliance sowie die steuerliche Begleitung von Unternehmenstransaktionen (Buy-side und Sell-side).

moniquegiese@kpmg.com, www.kpmg.de