25. Oktober 2018

Fünf Fragen an … Malte Polli-Holstein

Das Unterhaltungsprogramm an Bord von Kreuzfahrtschiffen wird immer ausgefeilter. Wir sprachen mit Malte Polli-Holstein von der Amptown System Company über die Möglichkeiten und Herausforderungen bei der Planung und Installation von Entertainmenttechnik auf Hochseeschiffen.

 MCN: Herr Polli-Holstein, welchen Stellenwert besitzt das Entertainment heute auf Kreuzfahrtschiffen?

Polli-Holstein: Einen sehr hohen. Kreuzfahrtschiffe laufen ja heute im Wesentlichen alle dieselben Destinationen an. Das Essen an Bord ist auch überall gut, und die Betten ähnlich weich. Da bietet das Bordentertainment eine einzigartige Möglichkeit, sich von anderen Anbietern abzuheben. Wir installieren unsere Technik nicht nur, sondern wir entwickeln gemeinsam mit den Reedereien auch maßgeschneiderte und innovative Konzepte. Damit helfen wir ihnen, ein Alleinstellungsmerkmal zu entwickeln.

MCN: Welche Art von Technik installieren Sie auf Kreuzfahrtschiffen?

Polli-Holstein: Zunächst einmal alles was unmittelbar mit Entertainment zu tun hat: Licht, Ton und Videoinstallationen kommen von uns. Wir installieren aber auch die Technik dahinter, also beispielsweise ganze Serverfarmen. An Bord ist ja heute alles hochgradig vernetzt. Das ist eine sehr komplexe Aufgabe.

MCN: Vor welche Herausforderungen stellt sie das maritime Umfeld, in dem Sie Ihre Anlagen installieren?

Polli-Holstein: Die Herausforderungen sind schon erheblich. An Bord gibt es beispielsweise viele Vibrationen. Das mögen herkömmliche Computer gar nicht. Deswegen arbeiten wir mit speziellen Rechnern. Im Außenbereich kommen dann noch die intensive UV-Strahlung und der hohe Salzgehalt der Luft hinzu. Lautsprecher, Scheinwerfer, LED-Wände und andere Geräte müssen davor geschützt werden. Scheinwerfer und LED-Wände kann man einkapseln. Bei Lautsprechern funktioniert das nicht, denn dann käme kein Ton mehr raus. Da arbeiten wir dann mit Speziallacken, Nanobeschichtungen oder auch besonderen Edelstahllegierungen, um die Anlagen vor Rost zu schützen.

MCN: Was war für Sie ein besonderes berufliches Highlight?

Polli-Holstein: Der Neubau der „AIDAnova“, die Mitte November an die Reederei übergeben wird, war und ist für uns ein besonders großes und schönes Projekt. Die Reederei hatte im Vorfeld Anforderungen formuliert, die es so vorher nicht gegeben hat. Wir haben da viele Ideen eingebracht, sowohl was konstruktive Elemente angeht, als auch in der Softwareentwicklung. In der Planungsphase waren wir mit bis zu 20 Ingenieuren engagiert. Aktuell, in der Endabnahmephase, haben wir bis zu 70 Ingenieure, Elektriker und Installateure an Bord, um die Systeme zum Laufen zu bringen. Das ist schon ein echtes Highlight.

 MCN: Ihr Unternehmen, Amptown System Company (ASC), macht ja nur einen kleineren Teil seines Geschäfts in der maritimen Branche. Was hat Sie dennoch motiviert, Mitglied im Maritimen Cluster Norddeutschland zu werden?

Polli-Holstein: Für uns ist das Maritime Cluster eine sehr interessante Plattform. Sie bringt Menschen zusammen, die in sehr unterschiedlichen Feldern der maritimen Branche tätig sind. Diese breite Mischung finden wir sehr spannend und wir erwarten jede Menge Synergien daraus.

 

Über Malte Polli-Holstein

Der diplomierte Audio-Ingenieur Malte Polli-Holstein (43) verantwortet im Hamburger Unternehmen Amptown System Company die Maritimen Projekte. Zuvor hat er unter anderem 15 Jahre als Sounddesigner und Technischer Leiter für AIDA Cruises gearbeitet. Polli-Holstein hat in seiner Karriere den Bau und die Indienststellung von mittlerweile vierzehn Kreuzfahrtschiffen begleitet.

www.amptown-system.com