10. September 2018

Fünf Fragen an … Jörg Herwig

Schiffbau, Zulieferer, Offshore, Meerestechnik und mehr – die maritime Wirtschaft in Norddeutschland ist facettenreich. In unserer Interviewreihe „Fünf Fragen an“ stellen wir Ihnen die Köpfe hinter den Unternehmen der maritimen Branche vor. Dieses Mal sprachen wir mit Jörg Herwig, Geschäftsführer von German Naval Yards Kiel, über die Bewerbung der Werft für den MKS-180-Großauftrag der deutschen Marine, den Fachkräftemangel in der maritimen Wirtschaft und die Zukunft der Werften in Deutschland.

MCN: Seit April dieses Jahres sind Sie Geschäftsführer der GERMAN NAVAL YARDS KIEL GmbH. Was sind Ihre Ziele?

Herwig: Kiel hat alles, was für eine erfolgreiche Werft notwendig ist: Eine moderne Werftinfrastruktur und – noch wichtiger – gut ausgebildete und hoch motivierte Mitarbeiter, die stolz auf ihre Arbeit sind. Das ist der Hauptgrund, warum wir uns als Werft in den vergangenen Jahren sehr gut weiterentwickeln konnten. Wenn es um den Bau sehr komplexer Marineschiffe geht, ist German Naval Yards Kiel inzwischen ein gefragter Anbieter. Darauf sind wir sehr stolz. Wir wollen nun diesen Weg weitergehen – gemeinsam mit unseren vielen Partnern, ohne die dieser Erfolg nicht möglich gewesen wäre. 

MCN: Als letzter verbliebener Deutscher Generalunternehmer im europäischen Wettbewerb für das Mehrzweckkampfschiff 180 (MKS 180), haben Sie kürzlich thyssenkrupp Marine Systems als weiteren Unterauftragnehmer gewinnen können. Hat das Ihre Chancen auf den Gewinn des Wettbewerbs erhöht?

Herwig: Das müssen Sie das Bundesverteidigungsministerium fragen! Aber natürlich freuen wir uns, dass wir die anerkannten Spezialisten von thyssenkrupp jetzt in unserem Team haben. Wir bündeln die besten Ingenieure, um uns für die Zukunft vorzubereiten. Wir sind diesen Schritt ganz bewusst gegangen, um am Ende das bestmögliche Angebot für die MKS 180 abzugeben. Ich bin sehr zuversichtlich, dass uns dies gelingen wird.

MCN: Der Fachkräftemangel stellt die maritime Wirtschaft vor vielfältige Herausforderungen. Traditionelle Bereiche, wie beispielsweise der Schiffbau, sehen sich mit Engpässen im Personalbereich konfrontiert. Inwieweit ist das Thema bei German Naval Yards präsent und welche Maßnahmen ergreifen Sie zur Fachkräftesicherung?

Herwig: Guten Nachwuchs zu bekommen, ist heute zweifellos eine Herausforderung. Gerade auch in einem Industriesektor, der zunehmend vom internationalen Markt abhängig und höchst volatil ist. Wir müssen uns daher sehr anstrengen, um aufzuzeigen, dass eine Werft trotz all dieser Herausforderungen ein hochinteressanter Arbeits- und auch Ausbildungsplatz ist. Unsere Patenschaft mit der Kieler Hansekogge ist hier ein gutes Beispiel. Dieses Projekt wird von unseren Auszubildenden sehr gut angenommen. Hinzu kommen Ansätze für duale Studiengänge, regelmäßige gezielte Weiterbildungen, Partnerschaften mit Hochschulen und natürlich grundsätzlich verstärkte Aktivitäten auf Recruiting-Messen und ähnlichem. Was uns als Industrie für den Marineschiffbau helfen würde, ist ein klares politisches Bekenntnis zum Marine-Überwasserschiffbau als Schlüsselindustrie. Damit wären wir für den Nachwuchs ein noch interessanterer Arbeitgeber.

MCN: Wie sehen Sie die Zukunft der Werften in Deutschland?

Herwig: Meiner Ansicht nach werden deutsche Werften auch weiterhin im Spezialschiffbau erfolgreich sein können. Dazu zähle ich unter anderem den Kreuzfahrtbereich, den Marineschiffbau und den Superyachtbau. Aber der weltweite Wettbewerb wird schärfer. Die Überlegungen der Bundesregierung, auch den Überwasserschiffbau zu einer schützenswerten Schlüsseltechnologie zu erklären, weisen daher in die richtige Richtung.

MCN: Warum ist German Naval Yards Mitglied im Maritimen Cluster Norddeutschland? Wie nutzen Sie die Mitgliedschaft für sich?

Herwig: Ich sehe die Mitgliedschaft im Maritimen Cluster als ungemein wertvoll an. Eine Branche muss sich stets gut organisieren – gerade auch in den Regionen. Zudem ist zum Beispiel die Arbeit in den Fachgruppen auch für eine große Werft bereichernd. Außerdem sehe ich unsere Mitgliedschaft quasi als „staatsbürgerliche, unternehmerische Pflicht“. Das bedeutet, dass wir über unsere Mitgliedschaft für Mitglieder des MCN ansprechbar sind. Das Netzwerk der Zulieferindustrie, auf das wir als Gruppe zurückgreifen, umfasst alleine in Schleswig-Holstein mehr als 200 Unternehmen, deutschlandweit über 400. In Netzwerken vertreten und ansprechbar zu sein, ist ein wichtiger Baustein für den ehrlichen und partnerschaftlichen Umgang miteinander.

Über Jörg Herwig

Jörg Herwig, geboren am 20. Juli 1967 in Kiel, ist seit April 2018 Geschäftsführer der GERMAN NAVAL YARDS KIEL GmbH. Nach Studium der Luft- und Raumfahrttechnik begann er seine berufliche Karriere 1993 bei den Nordseewerken in Emden. Bis 1998 war er als verantwortlicher Projekt Ingenieur für Marine Über- und Unterwasser-Projekte tätig. Von 1998 bis 2004 war er verantwortlicher Projekt Manager in der Angebots- und Abwicklungsphase des Korvettenprogrammes K 130 für die deutsche Marine. Von 2004 bis 2005 war er Campaign Manager für das U-Boot Programm für die portugiesische Marine. 2007 wurde er Direktor für den Vertrieb und Key Account für den deutschen Auftraggeber. Von 2013 bis April 2018 war er Mitglied der erweiterten Geschäftsführung der tkMS und verantwortlich für die Projekte im Marineüberwasserschiffbau.

www.germannaval.com