25. August 2020

Fünf Fragen an … Heiko Bobzin

Heiko Bobzin, bobz

Bildrechte: bobz

Heiko Bobzin, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter des Wentorfer Unternehmens bobz, beleuchtet Entwicklungen in der mobilen maritimen Breitbandkommunikation und verrät, wie ein kleines Unternehmen aus Schleswig-Holstein mit Produkten „Made in Germany“ auf dem Weltmarkt besteht.

 

MCN: Herr Bobzin, in der Corona-Krise konnten Schiffe einige Länder und Häfen nicht mehr anlaufen. Seeleute waren oft viele Monate von ihren Familien getrennt, da Besatzungen nicht ausgetauscht werden durften. Schiffsführung und Besatzung waren sehr stark auf die Kommunikation per Internet und Handy angewiesen. Hat die Corona-Pandemie der mobilen maritimen Kommunikation einen kräftigen Push beschert?

Das könnte man vermuten, ist aber so nicht eingetreten. Das Bewusstsein für die Bedeutung von mobiler Kommunikation ist zweifelsohne gestiegen, gerade in Hinblick auf das Wohlergehen der Seeleute, die an Bord teilweise sehr isoliert waren. Einen echten Schub in der Land-Schiff-Kommunikation hat das aber nicht gebracht. Allerdings muss man auch sehen, dass Schiffseigner und -betreiber hier unterschiedlich gut aufgestellt sind. Während große, innovative und technologiegetriebene Reedereien, wie etwa Maersk oder Wilhelmsen, ihre Schiffe heute schon sehr gut mit zeitgemäßer Kommunikationstechnik ausgestattet haben, gilt das für manche andere Unternehmen der Branche weit weniger. Corona hat diese Versäumnisse noch einmal klar aufgezeigt. Tatsächlich hat die Pandemie die Einführung moderner Kommunikationstechnik dann aber eher behindert. Das hatte einerseits ganz praktische Gründe, weil es oft einfach nicht möglich war, Anlagen und Techniker auf Reisen zu schicken und an Bord zu bekommen. Andererseits hat Corona die Schifffahrt sehr viel Geld gekostet, was die Neigung, in innovative Technik zu investieren, bei einigen spürbar dämpft. Ich denke aber, dass in Zukunft auf jeden Fall die Anbindung der Schiffe über mehrere verschiedene Kommunikationswege eine wichtige Rolle spielen wird, um gerade in solchen unvorhersehbaren Situationen schnell reagieren zu können.

Ihr Unternehmen, die Bobz GmbH mit Sitz in Wentorf, haben Sie gemeinsam mit ihrer Frau Claudia vor gut zehn Jahren gegründet. Heute sind Sie unter anderem im Bereich der mobilen Breitbandkommunikation sehr erfolgreich unterwegs. Wo haben Sie damals den Mut hergenommen, als kleines Start-up aus Schleswig-Holstein die etablierten Player des Marktes herauszufordern?

Bevor ich mich selbständig machte, war ich als Head of IT für ein großes Kommunikationstechnikunternehmen tätig. Dessen Geschäftsleitung wollte damals eine Art eierlegende Wollmilchsau entwickeln, also ein Produkt, das alles kann, mit unendlich vielen Features. Das hat nicht funktioniert, weil es nie fertig wurde. Meiner Frau, die aus dem Marketing kommt, und mir schwebte etwas anderes vor. Wir wollten ein einfaches, pfiffiges Produkt, leicht zu erklären und zu bedienen, und mit einem klaren Nutzen für den Anwender – ähnlich wie Apple es früher gemacht hat. Aus dieser Motivation heraus haben wir unsere Firma gegründet. Zu unserer Philosophie gehört auch der persönliche Service. Unsere Kunden haben oft über viele Jahre denselben Ansprechpartner bei uns, das schafft Vertrauen. Unsere Produkte werden übrigens bis heute zu 100 Prozent von uns selbst entwickelt, sind also „Made in Germany“.

Mit shipznet bieten Sie Lösungen für die mobile Breitbandkommunikation auf Schiffen an. Was können Ihre Produkte? Wo liegen deren Grenzen?

Unsere Lösungen bestehen im Wesentlichen aus einem Router und einer Antenne. Damit sind heute im Download Bandbreiten bis zu 300 Mbit/Sekunde möglich, also 4G-Standard. Einige Wettbewerber versprechen zwar schon 5G, aber das ist für den maritimen Bereich aus verschiedenen Gründen unerheblich. Die Reichweite beträgt heute mit 4G schon rund 60 Kilometer, das heißt, Sie können auch in ziemlich großem Abstand zur Küste am Mobilfunk teilnehmen und kommen so ohne sehr teure Satellitenverbindungen aus. Wenn Sie bedenken, dass wir mal mit 20 Mbit und 15 Kilometern Reichweite angefangen haben, ist das eine tolle Entwicklung, die sicher noch nicht zu Ende ist.

An Land sind die Kosten für Mobilfunk in den vergangenen Jahren teils drastisch gesunken. Profitiert die Schifffahrt von einer ähnlichen Entwicklung?

Die Satellitenkommunikation ist immer noch sehr teuer. Wenn Sie aber auf mobiles Breitband ausweichen, wird das sehr viel günstiger. Auf hoher See funktioniert das mangels Abdeckung natürlich nicht, aber mit der schon erwähnten Reichweite von bis zu 60 Kilometern eröffnet das mobile Breitband viele Möglichkeiten. Sie können dann beispielsweise Softwareupdates oder große Dokumente in Küstennähe herunterladen und so erhebliche Kosten sparen. Vielen Kunden ist daneben auch die Kostentransparenz und der Schutz vor teuren Überraschungen sehr wichtig. Wir bieten deshalb Flatrate-Pakete an. Der Reeder kauft für jedes Schiff ein Datenvolumen von einigen Gigabyte für einen Monat zu einem festen Preis. Je nach gebuchtem Länder-Paket, kann er es dann überall nutzen – ob in Südafrika oder Vietnam, er verbraucht sein Datenvolumen zum fixen Preis. Die Kostenvorteile werden künftig noch greifbarer, wenn beispielsweise ein lokaler Schiffstechniker mit Unterstützung von Augmented Reality auf seinem Handy die Anreise eines teuren Experten für eine komplizierte Reparatur überflüssig macht.

Was bringt Ihnen Ihre Mitgliedschaft im Maritimen Cluster Norddeutschland?

Wir profitieren natürlich vom Netzwerk und den interessanten Veranstaltungen des Clusters. Ein echtes Highlight war die Möglichkeit, im vergangenen Jahr mit einer Außenhandelsdelegation nach Indonesien und Malaysia zu reisen. Der Fokus auf maritime Themen war äußerst interessant und hat uns erlaubt, den Markt dort wirklich besser zu verstehen und viele Kontakte zu machen. Leider kam dann Corona dazwischen, sodass wir dort noch kein neues Geschäft generieren konnten.

 

Über Heiko Bobzin

Heiko Bobzin ist Geschäftsführer und Gründer der bobz GmbH mit Sitz in Wentorf bei Hamburg. Seit über zehn Jahren entwickelt und vertreibt er Lösungen für die Schifffahrtsbranche. Vor der Gründung der eigenen Firma war er viele Jahre in den Bereichen 4G, Mobilfunk, elektronischer Zahlungsverkehr, Java-Datenbanken und Datenübertragung als Entwicklungsleiter und CTO tätig. Sein Steckenpferd sind Embedded Systeme und Machine-to-Machine (M2M) Kommunikation. Er studierte in Hamburg Physik und Elektrotechnik.

www.bobz.de