03. Dezember 2018

Fünf Fragen an ... Frank Lewandowski

Ohne Hydraulik kommt heute kaum ein Schiff oder größeres Boot mehr aus. Im Interview erläutert Frank Lewandowski von der Bremerhavener Kraeft GmbH Systemtechnik, wo diese Systeme an Bord zum Einsatz kommen und wie ein mittelständisches, norddeutsches Unternehmen mit 45 Mitarbeitern im internationalen Wettbewerb besteht.

MCN: Herr Lewandowski, die Kraeft GmbH Systemtechnik ist als Spezialistin für hydraulische Systeme bekannt. Wo kommen diese im maritimen Bereich zum Einsatz? Und wer sind Ihre Kunden?

Lewandowski: Wir sind sowohl im Neubau als auch in der Instandsetzung von Schiffen und Booten und im Service tätig. Wir liefern typischerweise Komplettsysteme als Turn-Key-Lösungen, welche hydraulische Aggregate für Ruderanlagen, Zentralhydrauliken, Aussetzungsvorrichtungen für Beiboote, Heckklappenhydrauliken, Bugstrahlruder und ähnliches mehr beinhalten. Zu unseren Kunden zählen unter anderem deutsche Behörden, wie die Bundespolizei See, Wasserschifffahrtsämter, aber auch Schlepperreedereien und andere private Unternehmen. Ein weiterer Geschäftszweig unseres Unternehmens ist der Bereich Stahlwasserbau, wo wir hydraulische Antriebssysteme für Schleusentore, Fähranleger Klappbrücken und andere Anlagen als Turn-Key-Lösungen anbieten. Aktuell sind wir in diesem Bereich in einer ARGE als Generalunternehmer für die komplette Revision der großen Klappbrücke – Jachmannbrücke – in Wilhelmshaven tätig. 

MCN: Sie produzieren am Standort Bremerhaven. Wie können Sie am Hochlohnstandort Deutschland gegen billigere Konkurrenz aus dem Ausland bestehen?

Lewandowski: Das ist in der Tat nicht immer einfach. Die Kostenvorteile des Auslands sind teilweise erheblich. Und dass die öffentliche Hand Aufträge in der Regel europaweit ausschreiben muss, macht es für uns nicht einfacher. Wir setzen daher konsequent auf technisch komplexe Lösungen und auf Qualität. Ein Vorteil ist sicherlich auch unser Betriebsgelände direkt am Wasser mit einer sehr großen Halle und einer eigenen, 200 Meter langen Pier, an der Schiffe mit einem Tiefgang bis zu 7,30 Meter festmachen können. Das sind natürlich ideale Arbeitsbedingungen. Für die Kundenbindung ist ein sehr guter Service wesentlich. Der beginnt schon in der Planungsphase, in der wir uns in einer sehr stark beratenden Funktion sehen.

MCN: Gibt es Projekte, auf die Sie besonders stolz sind oder die Sie als besonders reizvoll empfanden?

Lewandowski: Ja, sicher. Ich persönlich mag vor allem technisch anspruchsvolle Projekte. Wir sind gerade dabei, um ein aktuelles Beispiel zu nennen, die drei Neubauten der 86-Meter-Boote für die Bundespolizei See mit diversen hydraulischen Systemen auszustatten. Des Weiteren sind wir im Service und der Instandsetzung für diverse Schiffe und Boote tätig, wie zum Beispiel die Gewässerschutzschiffe des Bundes, welche im Nord- und Ostsee-Bereich beheimatet sind.

Dazu zähle ich beispielsweise auch unseren Anteil an der kompletten hydraulischen Überholung des dem Bund gehörenden Gewässerschutzschiffes „GS Scharhörn“. Neben den diversen hydraulischen Leistungen, gehört unter anderem ein teleskopierbarer Feuerlöschmast mit entsprechenden Löschmonitoren zu unserem Leistungsprofil. Durch diesen Hydraulikzylinder wird sodann das Löschwasser mit sehr hohem Druck befördert, was wiederum enorme Anforderungen an die Hydraulik und Dichtungen erfordert.

In unserm Geschäftsbereich Stahlwasserbau sind wir sehr stolz darauf, kürzlich an der Instandsetzung der großen Schleusen des Nord-Ostsee-Kanals in Kiel-Holtenau mitgewirkt zu haben. Wir waren hier für die hydraulischen Antriebssysteme zuständig. Deren Zuverlässigkeit ist sehr wichtig, damit der Verkehr auf der meistbefahrenen Wasserstraße der Welt nicht ins Stocken gerät.

MCN: Welche besonderen Herausforderungen sehen Sie in den kommenden Jahren auf ihr Unternehmen zukommen?

Lewandowski: Auch wir spüren, dass Fachkräfte in Deutschland knapper werden. Momentan kommen wir noch zurecht, wenn aber künftig Mitarbeiter aus Altersgründen ausscheiden, wird es sicher schwieriger, geeignete Hydraulik-Fachkräfte und Techniker als Nachfolger zu finden. 

MCN: Aus welcher Motivation heraus engagiert sich Kraeft im Maritimen Cluster Norddeutschland?

Lewandowski: Das Maritime Cluster Norddeutschland bietet aus unserer Sicht vor allem ein hervorragendes Netzwerk. Die vielfältigen Kontakte in ganz unterschiedliche Bereiche der Branche, die hier geknüpft werden, sind sehr wertvoll und können einem Unternehmen wirklich helfen, Potenziale zu erschließen. Darüber hinaus hat das Cluster aus meiner Sicht aber auch einen Nutzen für den maritimen Standort Deutschland insgesamt. Durch die Vernetzung der Firmen und den damit verbundenen Wissenstransfer hilft das Cluster, maritimes Knowhow im Land zu erhalten. Viel Knowhow und viele Arbeitsplätze gerade im Schiffbau sind in den zurückliegenden Jahren schon verloren gegangen. Da ist diese Leistung des Clusters umso wichtiger.

 

Über Frank Lewandowski

Frank Lewandowski, 52, ist Sales Manager der Bremerhavener Kraeft GmbH Systemtechnik am Standort Hamburg. Zuvor arbeitete er für die Fluggesellschaft LTU als Verkehrsleiter an verschiedenen deutschen und internationalen Standorten im jeweiligen OCC Operational Control Center. Von 1985 bis 1990 war Lewandowski als Zeitsoldat bei der Bundesmarine als Minen- und Waffentaucher an mehreren deutschen und internationalen Standorten tätig.www.kraeft-systemtechnik.de