14. Oktober 2021

Fotorückblick: AFSTEKEN! – Eine Transfertour des Maritimen Clusters Norddeutschland

Die größten Abenteuer erlebt man bekanntlich abseits der großen Boulevards. Auf versteckten Wegen, in kleiner Runde, gemeinsam mit Gleichgesinnten und Andersdenkenden. Kurz: Abstecher bereichern unser Wissen. Nicht von Ungefähr verfügen Schiffe über Beiboote, die das dichte Heranfahren an bisher Unentdecktes und das Manövrieren in verwinkelten Gebieten ermöglichen. Genau solche Orte möchte das Maritime Cluster Norddeutschland (MCN) mit seinem neuen Veranstaltungsformat „AFSTEKEN!“ ansteuern. Auf der Suche nach Geschichten vom Wandel, Erzählungen in Möglichkeiten, Erfahrungen zur Balance und Erstaunlichem im Detail. Ergänzt durch Berichte vom aktuellen Forschungsstand, vielversprechende Erkenntnisse und Visionen zukünftiger Kooperationen. Die erste Tour führte 25 Teilnehmer*innen am 22. September 2021 nach Bremerhaven. Begleitet wurden Sie von Manuela Weichenrieder und Anja Rose vom Klub Dialog. Auf Landgang, zur See, auf Drahteseln und Booten gingen sie auf Entdeckungstour.

„Mit dem neuen Transfertour-Format AFSTEKEN! wollen wir den Dialog innerhalb unserer Mitglieder intensivieren, in dem wir spannende Orte besuchen, innovative Ansätze präsentieren und den Dialog über zukünftige maritime Anwendungsfelder initiieren“, sagte Andreas Born, Geschäftsstellenleiter des MCN in Bremen.

Zum Start der Transfertour servierte der Inhaber Ulli Berbrich von der Kaffeewerkstatt Bohnengold nicht nur eine Kostprobe seiner eigenen Kaffeemischung, sondern berichtete auch von seiner spannenden beruflichen Veränderung vom Physiotherapeuten zum Kaffeeröster. Und auch mit seiner Kaffeerösterei möchte er neue Wege gehen. Sein Ziel: eine klimaneutrale Produktionsstätte. Umsetzen möchte Berbrich diesen Schritt, indem er Brennstoffzellen-Technologie in seiner Rösterei einsetzt.

Weiter ging es zu Fuß zum ttz Bremerhaven. Das Institut betreibt anwendungsbezogene Forschung und Entwicklung. „Als Forschungsdienstleister sind wir in den Bereichen Lebensmittel und Ressourceneffizienz tätig. Hierzu gehört auch, dass wir neue Antriebsmöglichkeiten erforschen“, sagte Institutsleiter Prof. Dr.-Ing. Gerhard Schories. „Eine dieser Antriebsarten basiert auf Wasserstoff und konzentriert sich auf die Schifffahrt. Schließlich ist diese essenziell für den globalen Warenverkehr und kann somit einen enormen Beitrag zur Energiewende tragen, sofern emissionsärmere bzw. -freie Antriebe in der Branche eingeführt werden.“

Vor Ort besichtigten die Teilnehmer*innen die Produktionsanlage für grünes Methan, Basis für die Herstellung von grünem LNG. Ähnlich erfolgt die Herstellung von grünem Methanol. Die Mitarbeiter vom ttz zeigten zudem anhand einer digitalen Simulation eine geplante Anlage, mit dessen Hilfe Wellenbewegung simuliert und das darauffolgende Verhalten von Containern etc. untersucht werden kann. „Die Anlage wäre mit ihren 30 Tonnen Eigengewicht, die weltweit größte, allgemein zugängliche ihrer Art“, berichtete Schories und ergänzte: „Ein weiterer Vorteil ist die explosionsgeschützte Ausführung. Die Kräfte, die aufgrund der Masse hierbei wirken, sind so groß, dass wir ein speziell gefertigtes Fundament anlegen müssen. Mit der Anlage können wichtige Daten über das Verhalten von Körpern bei Wellengang ermittelt werden, was für die maritime Branche in Hinblick auf Schiffseffizienz und optimierte Logistik von Hilfe sein wird.“

Mit Börtebooten ging es im Anschluss weiter zur Werft Bredo Dry Docks. „Bredo betreibt Standorte in Bremerhaven und Cuxhaven, unser Kerngeschäft sind Schiffsumbauten und -reparaturen“, sagte Geschäftsführer Dirk Harms. Bei sonnigem Wetter und einer imposanten Kulisse, die durch Arbeiten im Dock lautstark untermalt wurden, erklärt Herr Harms, mit welchen Herausforderungen der Werftbetrieb einhergeht. Im Dialog mit den Teilnehmer*innen ging es vor allem um Digitalisierungsthemen. Pragmatische Ansätze wie etwa der Datentransfer zwischen der Werft und dessen Kund*innen oder die Implementierung Digitaler Zwillinge etc. stießen auf reges Interesse.

Zurück an Land erfuhren die Teilnehmer*innen bei KMR-Marine Surveyors GmbH, dass moderne Technologien auch im Bereich der Schiffsbesichtigungen zu neuen Digitalisierungslösungen und Dienstleistungen führen. Geschäftsführer Stephan Müller stellte ein Projekt aus dem Schiffbau vor, bei dem per 3D-Laserscanning ein genaues 3D-Modell des schwimmenden Restaurantschiffs MS OLDENBURG erstellt wurde, um die für die geplante Standortverlegung des Schiffs notwendigen schiffbaulichen Maßnahmen durchführen zu können. Auch Anwendungsfelder für hochauflösende Drohnenflüge kann er sich zukünftig in der Schadensbegutachtung vorstellen.

Mit Fahrrädern erreichten die Teilnehmer*innen die letzte Station der Tour, das Alfred-Wegener-Institut – Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung. Dr. Christian Hamm, Bereichsleiter Bionik und Leichtbau, gab einen Überblick zur aktuellen Forschung im genannten Fachbereich. Hierbei ging er explizit auf aktuelle Erkenntnisse ein und darauf, wie diese den Weg für neue Innovationen im Leichtbau ebnen. Neben diesem Vortrag bot sich den Teilnehmer*innen die Möglichkeit zu Bionik-Exponaten ins Gespräch zu kommen, die mittels additiver Fertigungsmethoden hergestellt wurden. Den Abschluss bildeten Thementische mit potenziellen Leichtbau-Anwendungsfeldern. Da die Thementische sich zu einem Großteil an den Bedürfnissen der Praxis orientierten, folgte ein spannender Diskurs an der Grenze von Wissenschaft und Wirtschaft.