24. Februar 2020

Fotoimpressionen: Science Technology Summit STS20|20

Für den 1. Science Technology Summit STS20|20 lud das Maritime Cluster Norddeutschland UnternehmerInnen und WissenschaftlerInnen für 2,5 herrlich stürmische Tage vom 11. bis 13. Februar nach Sylt an die Wattenmeerstation des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) ein. 27 TeilnehmeInnen aus Wirtschaft und Wissenschaft trotzten Sturmtief Sabine und kämpften sich durch auf die Insel. Neben einem Überangebot an Sauerstoff, boten sich den TeilnehmerInnen spannende Einblicke in Küstenschutz, Meerestechnik, Meeresforschung und mögliche neue Forschungs- und Entwicklungsansätze.

Maritimes Technologietransfer-Camp mit Austauschgarantie

Wovon träumen Küsten- und Ozeanforscher? Was bietet die hochspezialisierte maritime Technik 2020? Statt Vortragsfolien wurden diese Fragen live im Forschungslabor, beim Technikmarktplatz, während Exkursionen und im abschließenden Innovationsinkubator beleuchtet. Zu Beginn der Veranstaltung begrüßte Prof. Dr. Karen Wiltshire, Vize-Direktorin des AWI, die TeilnehmerInnen und wies eindringlich auf die Bedeutung innovativer Meerestechnik für die Erforschung und den Schutz der norddeutschen Küsten und Meere hin.

Tosende Wellen und frischer Wind für innovative Ideen

Danach hieß es für alle „raus in den Sturm, raus aufs Forschungsschiff und rein ins Labor“. Diana Seidel vom Naturerlebniszentrum Naturgewalten führte die Gruppe entlang der überspülten Küstenlinie und berichtete kompetent und mit viel Leidenschaft über die drastischen, klimabedingten Veränderungen im Sylter Watt und die sichtbaren Spuren der vergangenen Sturmtage an Dünen und Deichen. 

Sicher vertäut im Hafen, aber dennoch schwankend, wartete die FS Mya II, ein 2013 auf der Fassmer-Werft gebautes deutsches Forschungsschiff, auf das interessierte Fachpublikum. Dr. Finn Mielck, Forschungsschiffkoordinator der Wattenmeerstation, und Dr. Rune Michaelis, erklärten den TeilnehmerInnen des STS20|20 die wissenschaftliche und technische Ausrüstung an Bord der kleinen seegehenden Forschungsplattform. Sören Schwartze von WERUM Software konnte live sein Datenmanagementsystem in Aktion erleben und bekam dazu unmittelbar Rückmeldung von den anwesenden Nutzern.

Intensive Gespräche und viel Praxis

Am Nachmittag ging es fachlich in die Tiefe und ins Labor: Die Experten präsentierten sich gegenseitig ihre Technologien, Geräte, Forschungsergebnisse und Projekte von hochpräziser Mess-Sensorik über Unterwasserstromversorgung bis hin zu moderner Datenanalyse. Sina Bold, vom Helmholtz Zentrum Geesthacht, informierte über die neue Forschungsplattform Tesperhude, die vor wenigen Tagen in der Elbe eingeweiht wurde und lud die anwesenden Unternehmen und Forscher ein die Plattform mit zu nutzen. Passend dazu demonstrierte Dr. Norbert Greiser von der CSG GmbH ein hochaufgelöstes Messverfahren zur Bestimmung der nautischen Tiefe in Häfen und Wasserstraßen. Dr. Kevin Köser vom GEOMAR erläuterte die Herausforderungen der visuellen Kartierung in der Tiefsee. Dr. Gilbert Forkel von der Kieler Firma SubCTech kam mit leichtem Gepäck nach Sylt. Die neueste Generation des Multisensorsystems wurde bezüglich Gewicht und Energieverbrauch für Messkampagnen auf Transatlantik-Regattayachten optimiert. Viel Aufmerksamkeit zogen auch der Drohnen-Simulator des Fraunhofer IFAM aus Bremen, das Mini-AUV von Prof. Sabah Badri-Höher von der FH Kiel und die Tiefsee-Verankerungskomponenten der Hamburger develogic GmbH auf sich.

Der rege Austausch der Technologie-Expert*innen setzte sich bis in den späten Abend und am nächsten Tag im Innovations-Inkubator fort. Der Weg von der Idee zum Produkt wird intensiv vom MCN begleitet und unterstützt. Dr. Sonja Endres und Laura Eisenblatt, von der MCN Geschäftsstelle Schleswig-Holstein, informierten die TeilnehmerInnen über aktuelle ProjektFördermittel für maritime Technologieentwicklungen und die vielfältigen Angebote der maritimen Wirtschaftsförderung in Norddeutschland. 

Polarnacht live

Ein Highlight des STS20|20 war sicherlich der anschließende Abendvortrag von Nautikerin Bjela König, Verantwortliche für Arbeitssicherheit auf der AWI-Expedition MOSAiC. Seit Herbst 2019 driftet der Forschungseisbrecher Polarstern im Rahmen dieser Expedition durch das Nordpolarmeer. Die persönlichen Eindrücke der Referentin, die selbst einige Monate vor Ort war, und erste Videosequenzen aus dem dunklen arktischen Winter entführten das Publikum in die herausfordernde und faszinierende Welt des Meereises. Das bei -40°C und rauem Wind auf einer knapp 1m dicken Scholle besondere Anforderungen an Mensch, Technik und Material gestellt werden, erschließt sich Außenstehenden schnell. Dennoch waren die Zuhörer beeindruckt vom Umfang der logistischen Vorbereitungen, die für diese Expedition nötig waren.

Ausblick 

Mit viel neuem Wissen, frischen Ideen und spannenden Projektansätzen im Gepäck verabschiedeten sich die TeilnehmerInnen von der Insel. Alle waren sich einig, dass das maritime Technologietransfer-Camp STS20|20 zu einem jährlichen Treffen der Unterwassertechnikexperten werden sollte und darüber hinaus ein stetiger Austausch untereinander wertvoll und gewünscht ist. Die Planungen für den 2. Science Technologie Summit im Februar 2021 stehen daher schon in den Startlöchern. 

 

© Fotos: Jan Konitzki, Sonja Endres