21.02.2012

Veranstaltung „Wissenschaft trifft Wirtschaft – Aufbau von Tiefseeobservatorien“

Wie beeinflusst der Ozean das Klimageschehen? Welche  Auswirkungen hat die Gewinnung von  marinen Rohstoffen auf die Umwelt? Wie kann man rechtzeitig vor einen herannahenden  Tsunami warnen? Um solche Fragen beantworten zu können, ist die kontinuierliche Beobachtung der Ozeane mithilfe von autonomen und semi-autonomen Systemen  und festen Observatorien notwendig. Zur Intensivierung des Austausches zwischen Wissenschaft und Wirtschaft richteten das Maritime Cluster Norddeutschland und die Gesellschaft für Maritime Technik e.V. am 20. Februar 2012 die Vortrags- und Diskussionsveranstaltung  „Wissenschaft trifft Wirtschaft – Aufbau von Tiefseeobservatorien“ in Hamburg aus.

Die über  150 Teilnehmer aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik informierten sich über  die technischen Herausforderungen zukünftiger Tiefsee-Observatorien, wie sie zurzeit von den Wissenschaftlern und Ingenieuren weltweit geplant werden.

In seinem wissenschaftlichen Statement hob  Prof. Dr. Peter Herzig,  GEOMAR – Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel,  die wichtige Rolle des Ozeans für das System Erde hervor. Er unterstrich die Bedeutung der Meeresforschung bei der Bewältigung globaler Herausforderungen, wie z.B. des Klimawandels. Die Gewinnung von Rohstoffen aus dem Meer erfordert eine ausgewogene Abschätzung der Chancen und Risiken.

Die Herausforderungen beim  Einsatz   moderner Technologien in  der Tiefseeforschung wurden von Dr. Olaf Pfannkuche von GEOMAR anhand des neuartigen Tiefseeobservatoriums „MoLab“ hervorgehoben. MoLab besteht aus verschiedenen ozenographischen Messgeräten, die über einige Quadratkilometer Meeresboden verteilt kontinuierlich Messwerte wie z.B. Salzgehalt und  Strömungen aufzeichnen.

Der Aufbau und Betrieb von Tiefseeobservatorien stellt eine große Herausforderung  für die internationale Meeresforschung dar. Am Beispiel des FRAM Observatoriums - zwischen Grönland und Spitzbergen - erläuterte Prof. Dr. Karin Lochte vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung die Ziele und Vorteile eines Tiefsee-Observatoriums.

Prof. Dr. Laurenz Thomsen vom OceanLab der Jacobs University Bremen berichtete von seinen Erfahrungen mit dem weltweit ersten Internet-gesteuerten mobilen Tiefseeroboter, der seine Einsätze vor der kanadischen Küste in 900 m Meerestiefe absolviert. Roboter „Wally“ ist Bestandteil des NEPTUNE Canada-Tiefseeobservatoriums.

Wie Bohrkerne  vom Meeresboden sehr effizient gewonnen werden können, präsentierte Prof. Dr. Gerold Wefer vom MARUM in Bremen. Der weiterentwickelte  mobile Tiefsee-Bohrturm MeBo  kann einen noch besseren Beitrag zur Klimaforschung leisten, da seine maximale Bohrtiefe jetzt von  den bisherigen 70 m auf  200 m fast verdreifacht wurde.

Von Seiten der meerestechnischen Wirtschaft  erläuterte  Dr. Sven Hoog, IMPaC Offshore Engineering GmbH,  die bereits existierenden technischen Lösungen in der Tiefsee (z.B. in der Tiefseeproduktion von  Öl und Gas). Die  Herausforderungen der geplanten Tiefsee-Observatorien (Kabel-, Stecker- und Sensortechnik sowie Energieversorgung)  an die Anwendungsforschung waren Inhalt der Präsentation von Prof. Dr. Oliver Zielinski, ICBM/Universität Oldenburg. Einen ersten Überblick über die Expertise  deutscher meerestechnischer Unternehmen beim Aufbau von Tiefseeobservatorien präsentierte Torsten Turla (MBT GmbH /GMT).

In der abschließenden Diskussionsrunde waren sich Wissenschaftler und Wirtschaft einig: Die Nutzung der Weltmeere und ihrer Ressourcen  stellt eine enorme technische, wissenschaftliche  und ökologische Herausforderung mit großem Innovationspotenzial dar. Diese Veranstaltung gab viele interessante Anregungen für eine noch  intensivere Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft im Bereich der Meeresforschung und Meerestechnik. Nur wenn die gemeinsamen Potenziale identifiziert und genutzt werden, können die großen Herausforderungen der Tiefsee gemeistert  werden, die damit auch neue Perspektiven  in der Meeresforschung eröffnen.

Weitere Informationen unter www.maritimes-cluster-nord.de und www.maritime-technik.de

Ansprechpartner:
Gesellschaft für Maritime Technik e.V., Petra Mahnke, Geschäftsführerin,
Tel. 040 – 23 93 57-69, gmt(at)maritime-technik.de 
Maritimes Cluster Norddeutschland, Stephan Piworus, Geschäftsstellenleiter Hamburg,
Tel. 040 - 22 70 19-492, piworus(at)wtsh.de